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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar von Pascal Durain zu Selfies an den Schauplätzen des Holocaust

Regensburg (ots) - Schmollmünder unter dem "Arbeit-macht-frei"-Schriftzug, ein Daumen-hoch-Bild vor der Gaskammer oder einfach nur ein Lächeln inmitten der Häftlingsbaracken des früheren Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau: Bildern wie diese, am besten noch versehen mit Schlagworten wie #yolocaust, #zyklonb #feelgood, sorgen für Empörung. Die Selfies, aufgenommen von Heranwachsenden, seien weder angemessen noch respektvoll. Die Kritik ist berechtigt - aber auch überzogen. Sicher, an einem Ort, an dem eines der furchtbarsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte passiert ist, darf man zwei Mal darüber nachdenken, ob man sich in Szene setzen muss. Das Problem ist aber meist nicht das Foto, sondern das, was es über seinen Urheber aussagt: Viele Menschen sind so ignorant, dass sie nicht mal in Auschwitz merken, dass Selbstdarstellung hier fehl am Platz ist. Der Blick ist so verstellt darauf, Aufmerksamkeit zu erhaschen, dass das Offensichtliche übersehen wird. Eine Absicht aber, sich über Tote lustig zu machen, steht nicht dahinter. Das ist kein Phänomen der Generation Smartphone, respektlose Bilder gab es schon immer. Das Smartphone ist nur ein einflussreicherer Begleiter. Doch nicht jedes Selbstporträt zeugt von Geschmacklosigkeit. Ein Selfie lässt auch immer andere teilhaben, die sich mit einem Ort wie Auschwitz auseinandersetzen können. Das Vermächtnis dieses Ortes - Nie wieder Faschismus! - wird auch ins Digitale übertragen. Gerade Auschwitz, ein Ort des Massentourismus, kann davon nur profitieren.

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