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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar "Der Spalter" von Christian Kucznierz zu Wahl in der Türkei

Regensburg (ots) - Als Recep Tayyip Erdogan als Regierungschef wiedergewählt wurde, hatten 50 Prozent der Wähler für ihn gestimmt. Aber dieses Ergebnis bedeutete auch, dass die andere Hälfte nicht für ihn gestimmt hatte. Bei allem wirtschaftlichen Fortschritt, den seine Regierungszeit dem Land gebracht hat: Erdogan hat die Türkei gespalten. Das wurde spätestens dann deutlich, als die Proteste gegen seine Politik rund um den Gezi-Park auf den Straßen Istanbuls eskalierten. Diese Proteste sind nie verstummt. Sie haben sich nur andere Ventile gesucht. Junge Türken und Türkinnen protestieren auf Twitter und Co. gegen die rückwärtsgewandte, konservativ-islamische Politik Erdogans und seiner Partei. Die bringt beizeiten so kuriose Vorschläge hervor, wie jungen Frauen in der Öffentlichkeit das Lachen oder das Telefonieren zu verbieten, weil das unschicklich sei. Das Problem ist, dass Erdogan als Präsident über genügend Macht verfügen dürfte, um den radikalen Umbau seines Landes, den er als Regierungschef eingeleitet hat, weiter zu betreiben. Modernisierende, mäßigende Kräfte im Land werden es noch schwerer haben, als heute schon. Weil das so ist, darf eine Türkei unter Erdogan nicht isoliert werden. Schließlich dürfte auch am Sonntag nur die Hälfte der Türken sich für den jetzigen Ministerpräsidenten entscheiden. Auf der anderen Hälfte ruht die Hoffnung, eines Tages den Schatten des Rückwärtigen, der auf Erdogans Türkei haftet, abzustreifen.

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