Mittelbayerische Zeitung

Mittelbayerische Zeitung: Gegendruck aus Moskau - Es droht ein Handelskrieg mit Russland. Der träfe wohl vor allem die russischen Verbraucher. Von Reinhard Zweigler

Regensburg (ots) - Man kann kein Omelett braten, ohne ein paar Eier zu zerschlagen, weiß der Volksmund. Auf die im Zuge der Ukraine-Krise verschärften Wirtschaftssanktionen der EU antwortet Kreml-Chef Wladimir Putin nun trotzig mit einem Importverbot für Lebensmittel aus der EU. Milchprodukte, Käse, Joghurt, Fleisch, Bier, Wein, Obst und Gemüse sollen aus den Marktregalen im russischen Riesenreich verbannt werden. Damit zeigt Putin zwar Zähne, er könnte damit sogar einen "Handelskrieg" mit dem Westen befeuern. Doch letztlich träfe er damit vor allem die russischen Verbraucher, denen eine schlechtere Versorgung und höhere Preise drohen, sowie die russische Wirtschaft selbst. Denn die ist vor allem auf Hochtechnologie-Importe und Investitionen aus dem Westen angewiesen. Mit seiner flotten Retourkutsche auf die EU-Sanktionen brockt Putin seinem Land eine Suppe ein, die Russland noch lange auszulöffeln haben wird. Allerdings haben die verschärften wirtschaftlichen Strafmaßnahmen gegen Russland natürlich auch negative Auswirkungen auf Unternehmen hierzulande. Der Verweis auf die vergleichsweise geringen Import-Export-Geschäfte zwischen Deutschland und Russland taugen da nur bedingt als Beruhigungspille. Ausfuhren nach Russland nehmen zwar nur 3,3 Prozent in der deutschen Bilanz. Aber selbst dahinter stecken rund 300 000 Arbeitsplätze. Und für so manche Firma, die stark im Russlandgeschäft engagiert ist, geht es dabei um die Existenz. Selbst die großen deutschen Autobauer stöhnen unter dem Absatzrückgang in Russland, der freilich mit den jüngsten Sanktionen kaum etwas zu tun hat, sondern eine Folge der sich allgemein verschlechternden Wirtschafts-Situation in Russland ist. Die Ukraine-Krise und in der Folge die Sanktionen verschärfen den Negativtrend der ohnehin kriselnden russischen Wirtschaft nur noch. Kremlchef Putin gibt sich zwar als eine Art neuer russischer Imperator, der mal eben die Krim annektiert und in der Ost-Ukraine gefährlich mit dem Feuer spielt. Doch der nach wie vor vor allem auf Rohstoff-Exporten fußenden Wirtschaft seines Landes vermag er nicht die dringend notwendigen Modernisierungsimpulse zu vermitteln. Das dürfte sich in absehbarer Zeit rächen, wenn die Wirtschaft weiter einzubrechen droht. Oder aber - und das wäre noch schlimmer - Putin weiter und noch kompromissloser auf die Karte der militärischen Stärke setzt. Ein Abdriften der russischen Wirtschaft in den Abgrund hätte nicht nur für die involvierten westlichen Geschäftspartner ernste Folgen. Vor allem wäre dieses Abwärts-Signal verheerend für die internationale Wirtschaft. Die ist nach der Finanzkrise 2008/09 längst noch nicht wieder "über den Berg". Die diversen Kriegsschauplätze sind Gift für Investoren und Sand im Getriebe der globalen Wirtschaft. Es wird nun darauf ankommen, dass der Westen einerseits Härte gegenüber Moskau zeigt und Strafmaßnahmen verhängt. Zugleich aber dürfen nicht alle Türen zugeschlagen werden. Gespräche, Verhandlungen, Diplomatie sind allemal besser als ein Handelskrieg als weiterer Kollateralschaden in Folge des Ukraine-Konflikts. Auf einem anderen Blatt stehen mögliche staatlichen Hilfen für jene deutschen Firmen, die wegen der Sanktionen und Moskauer Gegenreaktionen nun in die Bredouille geraten und deren Exporte nicht über Hermes-Bürgschaften abgesichert sind. Noch hält sich Berlin bedeckt, sind die konkreten Auswirkungen nur zu erahnen. Doch ganz heraushalten darf sich der Bund an dieser Stelle nicht. Er sollte für die zerschlagenen Eier mit in Haftung genommen werden.

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