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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zu "Hochzeit auf den ersten Blick"

Regensburg (ots) - von Daniel Haslsteiner, MZ

Ab dem Winter heiraten beim TV-Sender Sat1 Menschen, die sich noch nie zuvor gesehen haben. Was für eine grauenvolle Idee: Die Ehe, das Versprechen zweier Menschen von gegenseitiger Treue bis zum Tod, wird mit Füßen getreten. Wo sich der Sender klingende Kassen erhofft, da sind Gefühle offenbar bedeutungslos. Wir sollten nicht vergessen, wie lange Menschen kämpfen mussten, bis sie den Partner heiraten durften, den sie wirklich lieben. Beispiel 1: Im antiken Rom war die Ehe christlichen Liebespaaren bis zum vierten Jahrhundert verboten. Wer dagegen verstieß, der riskierte nicht selten sein Leben. So erinnern wir uns noch heute an den Heiligen Valentin. Der Bischof von Terni wurde zum Märtyrer, weil er christlichen Paaren das Eheversprechen abnahm. Beispiel 2: Bis zur Schwelle des 19. Jahrhunderts war die Liebesheirat die absolute Ausnahme. Der Bund fürs Leben war eine Frage des Standes, der Herkunft. Heiraten durfte, wer es sich leisten konnte. Allen anderen blieb dieses Recht verwehrt: So durfte mehr als die Hälfte der Bevölkerung weder eine Familie gründen, noch durfte sie nach gängiger Moral Kinder zeugen. Heute ist die Liebesheirat in unserem Kulturkreis zum Glück die Norm. Freilich sind die Ehen deshalb nicht automatisch stabiler geworden. Die hohen Scheidungsraten sind hier aber nicht entscheidend. Eins darf die Ehe jedenfalls nicht werden: ein Spektakel für eine Unterhaltungs-Show im TV.

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