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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zur kalten Progression: Geht noch was? Von Reinhard Zweigler

Regensburg (ots) - Die Kunst der Besteuerung bestehe darin, die Gans so zu rupfen, dass man möglichst viele Federn bei wenig Geschrei erhalte, notierte einst Jean Baptiste Colbert. Die heutige "kalte Progression" hat der Finanzminister von Ludwig XIV. nicht gekannt. Dabei handelt es sich ebenfalls um eine Abkassiererei des Fiskus. Der Staat profitiert völlig ungeniert davon, dass Lohnerhöhungen bei entsprechend hoher Inflation durch höhere Steuersätze wieder aufgefressen werden. Die kalte Hand des Fiskus nimmt auf diese Weise, in einer Art Mitnahmeeffekt, mehrere Milliarden Euro im Jahr mehr ein. Das Problem ist zwar schon lange bekannt, doch wirksam dagegen angehen will auch die schwarz-rote Koalition offenbar nicht. Was bislang in Berlin zu hören war, waren lediglich wohlfeile Absichtserklärungen. Wenigstens etwas Hoffnung macht nun, dass die SPD nicht mehr partout an der Steuerschraube drehen will, um die Abschaffung der Progression zu bezahlen. Da geht hoffentlich noch was.

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