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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zur Sterbehilfe: Belgien irrt - von Isolde Stöcker-Gietl

Regensburg (ots) - Wann ist ein Leben noch lebenswert und wann nicht? Jeder Mensch muss das für sich selbst entscheiden. Doch was, wenn es um Kinder geht? Ein Fünfjähriger, ein Achtjähriger, ja selbst ein Zwölfjähriger kann die Tragweite eines solchen Entschlusses gar nicht fassen. Will ein Kind sterben oder will es, dass endlich die Schmerzen aufhören? Das in Belgien verabschiedete Gesetz zur Sterbehilfe bei unter 18-Jährigen kann deshalb definitiv nicht der richtige Weg für den Umgang der Gesellschaft mit todkranken Kindern sein. Es zeigt, dass das Land nicht in der Lage ist, betroffenen Familien zu helfen. Auch in Deutschland gibt es in der Kinder-Palliativversorgung große Lücken. Einzig das Land Bayern hat seine Hausaufgaben gemacht. Dort ging Anfang der 2000er-Jahre eine Initiative von München aus. Seit 2009 gibt es im Bayerischen Gesundheitsministerium ein ambulantes Palliativversorgungskonzept. Mittlerweile sind sogenannte SAPPV-Teams in München, Augsburg, Nürnberg unterwegs. Seit 2013 wird von Amberg aus die Versorgung in der Oberpfalz und Niederbayern organisiert. Familien mit schwerstkranken Kindern werden psychisch und physisch unterstützt. Für die Familien bedeutet das Hilfe im Alltag, seelische Unterstützung und vielleicht ein Stück weit weniger Angst vor dem, was kommt. Für die Kinder ist die Zeit, die sie noch zu Hause verbringen können, unendlich wertvoll. Eine engmaschige Überwachung, eine fein abgestimmte Schmerzbehandlung und eine Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft für Kind und Eltern geben Kraft für diesen schwierigen Weg. An ihrem Lebensende entscheiden die Kinder ganz alleine, wann es Zeit ist zu gehen. Sie brauchen keine Spritze in den Tod, sondern Menschen, die ihr Leben bis zum letzten Tag lebenswert machen. Belgien sollte sich an Bayern ein Beispiel nehmen.

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