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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zur Ukraine: Popanz Putin, von Ulrich Krökel

Regensburg (ots) - Wladimir Putin, so scheint es, hält in der Ukraine-Krise alle Fäden in der Hand. Das russische Militär beherrscht nicht nur auf der Krim die Lage. Im Zweifel kann Putins Armee innerhalb von Stunden den Osten und Süden der Ukraine überrollen. Mit dieser Drohkulisse und den mutmaßlich gefälschten Zahlen des Krim-Referendums im Rücken kann der Kreml-Chef in aller Ruhe entscheiden, ob er die Schwarzmeer-Halbinsel tatsächlich annektieren oder sich mit einem Protektorat begnügen will. Dennoch: Die Strippen, an denen Putin im postsowjetischen Raum zieht, werden über kurz oder lang ihre Wirkungskraft verlieren. Die simple Wahrheit ist, dass Russland nicht stark ist. Außerhalb der Metropolen Moskau und Sankt Petersburg ist das Riesenreich marode. Noch kann das Regime diese strukturelle Schwäche mit den Energie-Milliarden abfedern. Mittelfristig wird Putin scheitern. Umso wichtiger ist es aus westlicher Sicht, Ruhe und Augenmaß zu bewahren. An oberster Stelle muss eine Stabilisierung der Ukraine stehen - zur Not auch ohne die Krim. Erst wenn die Gefahr eines Zerfalls oder einer russischen Invasion gebannt ist, lässt sich eine neue Strategie für den postsowjetischen Raum entwickeln. Die ist auch dringend notwendig. Sanktionen gegen Putin sind richtig und wichtig. Sie müssen schmerzhaft sein, um ein wenig Luft aus dem Popanz im Kreml herauszulassen. Wichtigster Teil einer neuen Ostpolitik muss es aber sein, das westliche Demokratie-Modell wieder attraktiver zu machen. Die Ukraine kann dafür zum Schlüsselstaat werden.

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