Mittelbayerische Zeitung: Parallelmobilität

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Regensburg (ots) - Von Martin Anton

Das Bahn-Monopol auf Fernreisen war eine deutsche Einmaligkeit, historisch gewachsen aus der Teilung. Dass diese Besonderheit nun weggefallen ist, schien im europäischen Zusammenhang nur logisch. Allerdings birgt die Liberalisierung die Gefahr, die Zwei-Klassen-Mobilität in Deutschland zu verschärfen. In den USA, deren Busnetz im Zusammenhang mit der Liberalisierung immer wieder als positives Beispiel erwähnt wird, fahren nur diejenigen Bus, die sich keinen Flug leisten können, kein Auto besitzen und die Zeit haben - eine Art mobile Parallelgesellschaft. Auch in Deutschland ist das Hauptargument, von der Bahn in den Bus umzusteigen, der Preis. Gerade zu Anfang werden sich die neuen Busfirmen einen Unterbietungswettkampf leisten. Die Bahn wird ihre Ticketpreise allerdings kaum senken. Ihr Vorteil ist nämlich auch ganz klar: Die Geschwindigkeit. Nur auf wenigen Strecken können die Busse gleich schnell oder gar schneller am Ziel sein. Hinzu kommen Staus und andere Unwägbarkeiten des Straßenverkehrs. Wenn aber Schnelligkeit das Gebot ist, wird noch mehr vor allem in die Haupttrassen investiert, damit man auf der Strecke München Berlin vielleicht eine Viertelstunde sparen kann. Das wiederum treibt die Preise nach oben. Auf den günstigeren Regionalstrecken werden sich die Reisenden hingegen fragen, ob sie Lust haben, dreimal umzusteigen, wenn sie mit dem Bus durchfahren können. Vor allem der Regionalverkehr der Bahn wird daher unter der Buskonkurrenz leiden und es ist gut möglich, dass zugunsten der Hauptstrecken Nebenstrecken wegfallen. So ist es möglich, dass es künftig drei Kategorien von Mobilität gibt: Autofahrer, Busfahrer, Bahnfahrer. Es wäre schade, wenn die Zugehörigkeit nur vom Geld abhinge und nicht von der Vorliebe für die Transportart.

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