Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zu unseriösen Geschäftspraktiken im Internet und am Telefon: "Geschäft mit der Angst"

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Regensburg (ots) - Wer einmal ein Lied aus dem Netz heruntergeladen hat, ist doch nicht gleich kriminell, denken sehr richtig viele Eltern - und zahlen zähneknirschend den horrenden Betrag, den die Abmahnkanzlei ihnen in der angeblichen Absicht, Schlimmeres zu verhüten, in Rechnung stellt. Das Geschäft mit der Angst floriert bislang - hoffentlich nicht mehr lange. Der Entwurf aus dem Justizministerium berechtigt zu dieser Hoffnung, auch wenn man sich fragt, wofür die dortigen Juristen so lange gebraucht haben, um offensichtliches Unrecht zu beseitigen. Denn was manche Anwälte und Inkassobüros mit ihren Kettenbrief-ähnlich hergestellten Abmahnungen bei unbedarften Bürgern anstellen, geht weit über deren finanziellen Schaden hinaus. Sie geben ihnen das Gefühl, für einen möglicherweise kleinen, lässlichen Fehler, für einen Augenblick der Unkonzentriertheit teuer bezahlen zu müssen. Auch wenn es Optimierungsbedarf geben mag: Der späte Gesetzentwurf ist der erste Schritt auf dem Weg, um den Angst-Abzockern das Handwerk zu legen. Autor: Reinhold Willfurth

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