Stiftung Familienunternehmen

Standortfaktoren von Familienunternehmen im OECD-Vergleich: Deutschland ist Spitze in Infrastruktur und Finanzierung - Schlusslicht bei Regulierungsdichte

Stuttgart (ots) - Im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) eine internationale Benchmark-Studie zu Standortfaktoren von Familienunternehmen erstellt. Prof. Dr. Brun-Hagen Hennerkes, Initiator und Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, erklärt Anspruch und Ziel der Studie: "Unser Länderindex ist für Familienunternehmen wichtig, weil auch diese im Zeitalter der Globalisierung internationale Standortstrategien verfolgen und mit globalen Wettbewerbern konkurrieren. Darüber hinaus bildet die Benchmark-Studie als Index die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen ab und ist somit ein objektives Messinstrument für die Wirkung der deutschen Wirtschaftspolitik."

Platz 12: Deutschland im unteren Mittelfeld

Das ZEW hat fünf Standortfaktoren in 18 OECD-Staaten vergleichend analysiert. Die nun vorgelegte Aktualisierung des Länderindex aus dem Jahr 2006 geht dabei über eine reine Fortschreibung hinaus. Zu den Indizes Steuern, Arbeitskosten, Regulierung und Finanzierung wurde auch der Bereich der öffentlichen Infrastruktur aufgenommen. Aus diesen fünf Indizes baut sich ein Gesamtindex auf, an dessen Spitze Großbritannien, Dänemark und die Schweiz stehen. Deutschland nimmt einen relativ schlechten 12. Platz ein, und hat sich im Vergleich zum Jahr 2006 nicht verbessert (Abb. Gesamtindex). "Ohne den Einbezug der Infrastruktur wäre Deutschland auf Rang 16 abgerutscht, weil die Reformbemühungen anderer Staaten mit größerem Erfolg vorangekommen sind", so Dr. Friedrich Heinemann, ZEW-Studienleiter des Länderindex.

Prof. Dr. Brun-Hagen Hennerkes kommentiert das erschreckend schlechte Abschneiden von Deutschland als Standort für Familienunternehmen mit einem Appell an die Politik: "Die gute Konjunkturlage der letzten beiden Jahre sowie die optimistischen Wachstumsprognosen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die strukturellen Rahmenbedingungen für den Standort Deutschland dringend verbessert werden müssen. Der Länderindex zeigt: Die Welt steht nicht still, viele andere Länder haben erkannt, dass sie etwas für Familienunternehmen tun müssen."

Problem Nummer 1: Zu viel Regulierungsdichte

Für das schlechte Abschneiden Deutschlands im Gesamtvergleich ist aus Sicht des ZEW vor allem die hohe Regulierungsdichte verantwortlich. Hier ist Deutschland fast Schlusslicht innerhalb der 18 OECD-Staaten, nur Italien schneidet noch schlechter ab.

In diesen Subindex sind die Faktoren Arbeitsmarkt, Tarifrecht, Doing Business, betriebliche Mitbestimmung sowie die Regulierung des Produktmarktes eingeflossen. "Nirgendwo sonst werden Einstellungen und Kündigungen von Arbeitnehmern durch Bestimmungen und Vorschriften so stark beeinflusst wie in Deutschland. Und auch die Tendenz zu Flächentarifverträgen ist nur noch in Österreich stärker ausgeprägt", referiert Heinemann. Das gehe auf Kosten der Flexibilität, die gerade für Familienunternehmen besonders wichtig ist, um wettbewerbsfähig zu bleiben und dynamisch zu wachsen. Die geringste Regulierungsdichte des Arbeitsmarktes hat in diesem Vergleich die Schweiz, gefolgt von Dänemark und den USA. "Vor diesem Hintergrund ist aus unserer Sicht die Diskussion zum Mindestlohn vollkommen kontraproduktiv, bedeutete dies doch einen weiteren Regulierungsschub!", gibt Hennerkes zu bedenken.

Hochsteuerland Deutschland

Das ZEW hat in den Index Steuern verschiedene Subindizes einbezogen wie die Steuerbelastung bei nationaler und grenzüberschreitender Geschäftstätigkeit, die Komplexität des Steuersystems sowie die Erbschaftsteuer, die vor allem für Familienunternehmen von größter Bedeutung ist. Deutschland nimmt im Index Steuern mit Platz 12 den gleichen, relativ schlechten Platz ein wie im Gesamtranking.

   Erbschaftsteuer bleibt Achillesferse für Deutschlands 
   Familienunternehmen  

Die Unternehmenssteuerreform habe, so Heinemann, zwar moderate Verbesserungen gebracht, hiervon profitierten aber in erster Linie die Kapitalgesellschaften. Familienunternehmen in der Rechtsform der Personengesellschaft hingegen leiden unter der Mehrbelastung, die mit den steuerbedingten Entnahmen durch die Anteilseigner verbunden sind. Hinzu kommt, dass bei Personengesellschaften die Wirkung der Reform je nach Einkommenssituation der Unternehmer durch die Erhöhung des Spitzensteuersatzes im Rahmen der Reichensteuer konterkariert wird. "Vor allem auf dem Gebiet der Erbschaftsteuer - hier befindet sich Deutschland weit hinten auf Platz 14 - sehen wir noch Handlungsbedarf", so Hennerkes. "Die derzeit angestrebte Reform verspricht wenig Gutes, wenn ich an die 15-jährige Auflage denke, an die die Entlastung der Betriebe künftig geknüpft werden soll. Diese vom deutschen Gesetzgeber vorgesehenen 'Wohlverhaltenspflichten' sind weit härter als alle bisher diskutierten Varianten und die im internationalen Vergleich üblichen Modelle. Das raubt den deutschen Familienunternehmen ihre Fähigkeit, schnell auf Marktveränderungen zu reagieren - ein Vorteil, der sie vor Konzernen auszeichnet.

Kommt das Gesetz in unveränderter Form, wird Deutschland weiter abrutschen. In Luxemburg, Schweden, Österreich sowie in der slowakischen und tschechischen Republik bleiben Erben steuerfrei, andere Länder wie Großbritannien, Belgien oder Irland haben deutliche Erleichterungen für Familienunternehmen geschaffen und begegnen damit der Gefahr der Abwanderung."

   Arbeit ist in Deutschland zu teuer, mittelmäßig effektiv 
   und in die Qualifizierung wird noch zu wenig investiert  

Trotz der Lohnkostenzurückhaltung der letzten beiden Jahre schneidet Deutschland auch bei der vergleichenden Analyse von Arbeitskosten und Produktivität schlecht ab (Rang 16). Hierfür sind vor allem die überdurchschnittlich hohen Personalzusatzkosten verantwortlich. Im direkten Vergleich ist Deutschland mit 41,50 Euro pro Stunde teurer als die durchschnittliche Arbeitsproduktivität aller 18 betrachteten Länder, die bei einem Wert von 38 Euro/Std. liegt.

   Gute Noten für Infrastruktur und Finanzierung - Kein Polster zum 
   Ausruhen  

Gut schneidet der Standort Deutschland im Bereich der Finanzierung (Rang 5) und sehr gut im Index Infrastruktur (Rang 4) ab. "Das stabile rechtlich-institutionelle Umfeld und die hohe Qualität der unternehmensnahen Infrastruktur gilt es weiter zu stärken, denn hier liegen die positiven Effekte für den Gesamtindex", mahnt Heinemann und verweist auf die rasante dynamische Entwicklung von benachbarten Ländern wie beispielsweise die Slowakische Republik. "Noch punktet Deutschland in der Infrastruktur und im Bereich Finanzierung, ist aber bei den Dimensionen Regulierung, Steuern und Arbeit schon deutlich im Hintertreffen."

Aufholbedarf für den Standort Deutschland

"Im direkten Vergleich mit der Vorgängerstudie aus dem Jahr 2006 können wir die Benachteiligungen von Familienunternehmen wissenschaftlich bele-gen und die deutsche Wirtschaftpolitik an den Maßnahmen anderer Länder messen", fasst Hennerkes zusammen. "Der Länderindex zeigt, dass die politischen Rahmenbedingungen in Deutschland weiter verbessert werden müssen, damit Familienunternehmen international mithalten können.

Download des Länderindex und Grafiken: www.familienunternehmen.de

Pressekontakt:

Stiftung Familienunternehmen
heidbreder@familienunternehmen.de
Tel.: 089/ 201 86 610
Original-Content von: Stiftung Familienunternehmen, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: Stiftung Familienunternehmen

Das könnte Sie auch interessieren: