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Aachener Nachrichten: Du zahlst nur!/Den Profit machen Facebook, WhatsApp und Co./Von Marco Rose

Aachen (ots) - "Du bist nicht der Kunde der Internetkonzerne. Du bist ihr Produkt." Mit diesem Satz beschreibt der renommierte US-amerikanische Computerwissenschaftler Jaron Lanier in seinem neuen Buch "Wem gehört die Zukunft?" das ganze Dilemma unserer modernen Kommunikationsgesellschaft. Die beruht nämlich auf dem Prinzip: Wir, die Kunden, füttern die Internetriesen mit unseren Daten. Freiwillig breiten wir unser Leben vor ihren immer wachsamen Augen aus. Wir fotografieren uns, unser Essen, unsere Liebsten. Wir teilen mit, wo wir was einkaufen, welche Politiker und Künstler uns faszinieren, welche Texte wir im Internet lesen oder wie unser Gesundheitszustand gerade aussieht. Die Internetriesen liefern uns dafür kostenlos die entsprechende Plattform - und saugen uns aus, um es mit den Worten Laniers zu sagen.

Das ist die Bestandsaufnahme - nicht mehr und auch nicht weniger. Welche Schlüsse man daraus ziehen mag, ist in einer freien Gesellschaft jedem selbst überlassen. Wichtig ist nur, sich überhaupt Gedanken über das eigene Leben im Netz zu machen. Wer das Geschäftsmodell der Datenkraken durchschaut hat, der fragt nicht mehr lange nach der Sinnhaftigkeit des jüngsten Facebook-Deals. 19 Milliarden Dollar haben Zuckerberg und Co. für eine kleine Software-Klitsche bezahlt, die mit der Entwicklung von WhatsApp einen gigantischen Erfolg gelandet hat. 30 Millionen Deutsche nutzen den Nachrichten-Dienst inzwischen auf ihrem Handy, weil er praktisch ist und fast nichts kostet.

Wen stört da noch, dass die offizielle Firmenadresse des Entwicklers bis heute zu einem Sushi-Laden gehört und auch zwei andere Firmensitze unauffindbar sind? Wen stört es, dass die Sicherheit der Nachrichten - im Gegensatz zur SMS - völlig ungewiss ist? Wen stört es, dass das Programm sogar auf Informationen von Nutzern zugreift, die für den Dienst überhaupt nicht registriert sind? Für 19 Milliarden Dollar kauft Facebook nicht bloß ein gigantisches Telefonbuch. Facebook erwirbt einen Blick in unsere intimste Kommunikation. Natürlich beteuert man nun, den Datenschutz auch künftig achten zu wollen. Geschenkt! 19 Milliarden bezahlt wohl niemand für einen Dienst, mit dem sich aktuell bloß 89 Cent pro Nutzer und Jahr verdienen lassen.

An dieser Stelle sei noch einmal aus dem klugen Buch des US-Wissenschaftlers Lanier zitiert: "Wenn alles frei verfügbar und umsonst ist, klingt das demokratisch, aber das ist es eben nicht. Denn die Internet-Mächtigen mit ihren Riesen-Computern, mit der Möglichkeit, all diese Informationen auszuwerten und weiterzuverkaufen, sind am Ende die einzigen Profiteure. Und so wurde das, was eigentlich so demokratisch aussah, sehr, sehr unfair." Für Lanier gibt es nur einen Ausweg: Die Nutzer müssen davon profitieren, wenn sie Daten preisgeben oder Fotos ins Netz stellen. Schluss mit der Umsonst-Mentalität, die nur den Konzernen nützt!

Diese Idee ist bestechend. Doch sie hat einen mächtigen Gegner: den inneren Schweinehund des Nutzers, der die schöne neue Welt im Netz nur zu gerne aufsucht. Weil sie bunt ist, aufregend und dabei denkbar bequem. Mit Speck fängt man Mäuse, sagt der Volksmund. Im Internet reichen ein paar bunte Smileys, und der Nutzer tappt selbstvergessen in die Falle.

Wollen wir wirklich zulassen, dass ein paar Menschen auf dieser Welt zu obszönem Reichtum und gefährlicher Macht kommen, weil wir ihnen unsere Daten auf dem Silbertablett servieren? Auf diese kann es eigentlich nur eine Antwort geben.

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