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neues deutschland: Alle Macht für Erdogan - über den Rückzug des türkischen Premiers

Berlin (ots) - Der starke Mann der Türkei hat jenen Punkt erreicht, an dem er meint, dass er am mächtigsten allein sei. Nach zwei Jahren treuer Dienste kann der Nachfolger Erdogans an der Spitze von Partei und Regierung gehen. In bester Abstimmung spielten sich bis dahin der Präsident und sein Premier Davutoglu die Bälle zu. Doch künftig will der Chef seine Tore ganz allein bejubeln. Als Lohn für die umstrittenen Dienste Ankaras bei der Abschottung Zentraleuropas vor den Flüchtlingen trieb Erdogan bereits machtbewusst, selbstgefällig und kompromisslos die lang verweigerte Annäherung seines Landes an die EU brutal ein. Kein Krieg gegen Kurden im eigenen Land, keine Missachtung demokratischer Grundsätze, von Menschenrechten und der Freiheit der Medien wollten ihm seine neuen europäischen Mitspieler noch ernstlich gegen die Visafreiheit aufrechnen. Solchen Ruhm mag der Präsident gewiss nicht mit einem nachgeordneten Kollegen teilen. Nicht vor seinem eigenen Volk und nicht vor der Welt. Den Präsidenten hat sein Erfolg im Passspiel mit Brüssel zum Stopp der Flüchtlinge vor Europas Grenzen besonders ermutigt. Das Wort vom »Machtkampf« in Ankara trifft mit Blick auf den scheidenden Partei- und Regierungschef kaum zu. Der redet seinem Chef kein böses Wort nach und rechnet sich weiter zur Familie. Davutoglu stürzt auch nicht; ihm ist es gestattet, zu verschwinden. Sein Nachfolger wird noch weniger Einfluss, Erdogan aber alle Macht haben."

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