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neues deutschland: Zu angekündigten Entlassungen bei VW: Verzichten statt entlassen

Berlin (ots) - Leiharbeiter werden in Konzernen seit Jahrzehnten mit großer Selbstverständlichkeit als Puffer für konjunkturbedingte Produktionsschwankungen eingesetzt: Bei guter Auftragslage werden sie eingestellt, bei schlechter sind sie die ersten, die wieder gehen müssen. Diese Praxis erspart Unternehmen wie VW die lästigen Diskussionen mit den Gewerkschaften, die bei Entlassungen der Stammbelegschaft ein großes Wörtchen mitzureden hätten. Deswegen sind die Leiharbeiter wohl auch diejenigen, die als erstes die Folgen des Abgasskandals zu spüren bekommen. Viele Verträge werden auslaufen und nicht verlängert werden, das deutete sich auf der Betriebsversammlung am Mittwoch an. Nach geltendem Recht ist daran leider nichts auszusetzen. Moralisch aber wird man sich die Frage stellen müssen, warum die insgesamt 6000 Leiharbeiter - immerhin ein Prozent aller VW-Beschäftigten - seit Jahren mithelfen, Milliardengewinne für den Konzern zu erwirtschaften, bei schlechten Aussichten wegen des von der Chefetage selbst verschuldeten Abgasskandals aber als erste die Konsequenzen tragen müssen. Und nicht nur Leiharbeiter trifft es: Bonuszahlungen werden sich die Stammarbeiter nächstes Jahr abschminken können. Ob der Vorstand wenigstens mit gutem Beispiel vorangeht und freiwillig auf seine Boni verzichtet, ist dagegen unklar. Es würde den Autobauer nicht aus der Krise hieven, für das Unternehmensklima aber ein besseres Zeichen setzen als entsorgte Leiharbeiter.

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