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neues deutschland: Wer klärt auf?

Berlin (ots) - Der letzte Satz von Edathy bei seinem Auftritt vor der Presse am Donnerstag lautete: »Denken Sie mal darüber nach.« Zumindest dem kann man zustimmen, wenn man noch klärt: Worüber? Denn was als »Fall Edathy« weder halb richtig noch völlig falsch beschrieben ist, entzieht sich einfachen Wahrheiten. Die Schwere der moralischen Fehlleistung des Sozialdemokraten, der sich Filme von Minderjährigen besorgte, die kaum dadurch besser werden, dass sie nicht verboten sind, hebt zum Beispiel nicht die Rechte des Verdächtigten auf, was Unschuldsvermutung, Privatsphäre und differenzierte juristische Bewertung angeht. Die Arroganz wiederum, mit der Edathy jetzt auftrat, kann nicht gegen die notwendige Kritik an der medialen Hatz gegen ihn in Stellung gebracht werden. Die jedes Vertrauen brechende Preisgabe persönlicher SMS von Parteifreunden durch Edathy zwecks eigener Verteidigung wiederum darf keine Legitimation dafür sein, dass offenbar zwischen Sicherheitsbehörden und Politprominenz eigene Regeln herrschen - solche, die mit dem Gesetz nicht vereinbar sind. Und so fort. Mag sein, dass Edathy mit seinem Auftritt ein heftiges SPD-Nachbeben auslöst. Aufklärung, die diesen Namen verdient, wird man von Sozialdemokraten deshalb kaum erwarten können. Und dass manche Medien vor allem interessiert, wie die Titel der Filme heißen, die Edathy sich besorgte, lässt nicht gerade darauf hoffen, dass der »Fall Edathy« als das gesehen wird, was er eben auch ist: ein Fall des politisch-medialen Betriebs.

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