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neues deutschland: Ukraine-Krise: Eskalation der Worte¶

Berlin (ots) - Seine Worte seien »aus dem Zusammenhang gerissen« worden, bezogen Vertraute des russischen Präsidenten am Dienstag Rückzugslinie. Die angebliche Drohung, Kiew »binnen zwei Wochen« einnehmen zu können, bleibt aber in der Welt. Der größte Fehler des Kremlchefs dürfte dabei nicht einmal gewesen sein, eine mindestens deutbare Botschaft EU-Kommissionspräsident Barroso zum prompten Ausplaudern mitgeteilt, sondern wohl doch etwas geprahlt zu haben. Die Eskalation der Worte ersetzt Besonnenheit und spielt eine unheilvolle Rolle in der ukrainischen Krise. Halbwahrheiten, Unterstellungen und Lügen bestimmen allzu viele Darstellungen der Konfliktparteien. Und immer noch eins drauf. Wie vertrauenswürdig mag ein Verteidigungsminister sein, der ausposaunt, er habe aus angeblichen russischen »inoffiziellen« Quellen von einem Einsatz von taktischen Atomwaffen gegen sein Land erfahren? Der NATO-Generalsekretär feilt derweil öffentlich nicht nur an schärfsten Worten, er schmiedet eine »Speerspitze« gegen Russland. Zum Gedenken an den Ausbruch jenes Weltkrieges, in dessen »Russland-Feldzug« 30 Millionen Sowjetbürger starben, droht ausgerechnet ein deutscher Bundespräsident Moskau mit einem entschlossenen Westen. Wenn aber schon die großen Chefs Maß, Respekt, Haltung und Nerven verlieren, was ist dann erst von ihren Gefolgsleuten zu erwarten? Mit einer Eskalation der Worte droht immer auch die Entfesselung von Taten.

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