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neues deutschland: Sozialinitiative der Kirche: Lasst die Kirche im Dorf

Berlin (ots) - Katholiken und Protestanten, sie blasen gemeinsam ins Horn. Ihre Sozialinitiative hört sich so an, als ob sie damit die unchristlichen Finanzmärkte zu Fall bringen wollen, wie einst die Israeliten die Mauern von Jericho. Nach einer feinen Sache hört sich das zunächst für so manchen Kapitalismuskritiker an. Schließlich sind die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland noch wichtige Akteure. Doch sollten die Kirchenväter aufpassen, dass sie mit ihrem Trompetengetöse nicht ihre eigenen Mauern einreißen. Denn so manchem Gewerkschafter wird die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit gerade bei den Protestanten etwas sehr abgeschmackt vorkommen. Schließlich sträubt sich die evangelische Kirche, die selbst ein nicht zu unterschätzender Arbeitgeber ist, eins der zentralsten Arbeitnehmerrechte wirklich anzuerkennen. Es ist das Streikrecht. Doch auch anderweitig werden die Kirchen erst zeigen müssen, ob ihr moralischer Fingerzeig gerechtfertigt ist. So begannen am Freitag die Verhandlungen zu einem Mindestlohn im Pflegebereich, in dem Caritas und Co. gewichtige Arbeitgeber sind. 12,50 Euro fordert die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Da können die Geistlichen jetzt erst Mal zeigen, wie wichtig ihnen die Nächstenliebe ist. Ansonsten können sie die Kirche getrost im Dorf lassen. Schließlich ist nichts peinlicher, als sich zuerst als Moralapostel darzustellen und sich - wenn es ums konkrete Handeln geht - als Pharisäer zu entpuppen.

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