neues deutschland: Zur Krise in Ägypten

Berlin (ots) - Auf »Härte« setzt in der ägyptischen Krise jedermann gern. Nun droht die Regierung in Kairo den Muslimbrüdern auch noch mit deren Verbot. Die wiederum demonstrieren längst nicht mehr nur unter Berufung auf Demokratie ihrem gestürzten Präsidenten hinterher. Sie setzen den roten Hahn auf Regierungsdächer und tragen Waffen nicht nur zur Schau. Die einen wie die anderen haben mit »Härte« bereits übergenug Unheil angerichtet. Was taugte denn nun wohl weitere Härte? Sie ließe sich doch ohne eine weitere Verschärfung der Lage nicht einmal im Ansatz durchsetzen. Verbote von Protesten und deren Zerschlagung gingen schon mehrfach äußerst blutig daneben. Die Muslimbrüder dürften die Mehrheit der Wähler jetzt nicht mehr für sich mobilisieren können. Doch weiter gewaltsam in den Untergrund gedrängt, blieben ihnen immer noch Terrorakt und Märtyrertod. Als sich das Militär nach der zerstörerischen Herrschaft des Muslimbruders an die Macht begab, wurde es im Lande sichtlich bejubelt und im Ausland zumindest weithin geduldet. Es schien ziemlich klar, was die Generäle nicht wollten. Was sie aber genau wollten und wie das zu machen sei, blieb weitgehend offen. Die Macht allein reicht eben nicht, man muss auch sehr genau wissen, was man mit ihr anfangen will. Nicht die »Härte« ist das Problem in Ägypten, davon gibt es genug. Sie ist ein Auswuchs der Hilf- und Ratlosigkeit. Es fehlt das Konzept - auch international.

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