neues deutschland: zu Peer Steinbrücks Bundeskanzler-Gehaltsvorstellungen

Berlin (ots) - Die SPD hat die soziale Gerechtigkeit wiederentdeckt. Wie ernst es ihr damit ist, darüber kann der Wähler aber nur spekulieren. Bereits jetzt erkennen kann er immerhin, wie ernst es Peer Steinbrück damit ist. Gerechtigkeit wird für ihn dort zum Thema, wo sie für ihn erfahrbar ist. Das macht ihn so menschlich, sympathisch - dort oben, wo er seine Kreise zieht. Der frühe Vogel fängt den Wurm, Steinbrück hat zumindest in den letzten Jahren für den eigenen Vorteil gesorgt, solange Zeit dafür war. Dass er längst den Blick für das reale Leben verloren hat - dort unten, wo soziale Gerechtigkeit mehr ist als ein akademisches Problem -, das ist nicht nur seines, das ist das Problem der SPD seit langem, und insofern hat die Sozialdemokratie den Kandidaten, den sie verdient. Aber der Wähler, hat er es nicht verdient, dass sich die politische Klasse wenigstens ein bisschen mehr Mühe gibt, ihren eigenen Ansprüchen zu genügen?

Wenn Steinbrück sich schon vorab öffentlich Gedanken über das Gehalt macht, das er als Bundeskanzler zu erwarten hätte, dann ist das vor allem peinlich. CDU-Generalsekretär Gröhe trifft den Nagel auf den Kopf mit seiner Bemerkung, die Kanzlerin habe sich wenigstens nie beschwert über ihr geringes Gehalt. Chapeau! Auch im Duell um die ganz persönliche Eignung der Kandidaten sind Punkte zu verteilen. Und Angela Merkel muss derzeit gar nichts tun in diesem Duell. Steinbrück tut schon alles. Seine überraschende Ungeniertheit hat ihren Charme verloren. Sie dürfte viele Wähler zum Schluss führen: Der frühe Vogel kann mich mal.

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