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Neues Deutschland: zur Nukleardebatte in der NATO

Berlin (ots) - Spätestens seit Dr. Seltsam in Stanley Kubricks gleichnamiger bitter-bösen Atomkriegssatire lernte, die Bombe zu lieben, weiß man um das Pandämonium des nuklearen Irrsinns. Was der frühere US-amerikanische General Hugh Shelton in seinen gerade erschienenen Memoiren enthüllt, liest sich da wie ein verloren gegangenes Kapitel aus dem vielfach preisgekrönten Drehbuch. Doch es ist das wirkliche Leben in Zeiten des atomaren Overkills: Während der Amtszeit Bill Clintons war offenbar die Karte mit dem streng geheimen nuklearen Code des Präsidenten, der zum Abschuss der US-amerikanischen Atomwaffen notwendig ist, monatelang spurlos verschwunden gewesen, was im Jahr 2000 erst bei einer turnusmäßigen Überprüfung aufflog - ein wahrlich »dickes Ding«, wie Shelton schreibt. Aber auch den heutigen NATO-Strategen seien die Erinnerungen des Generals als Pflichtlektüre empfohlen. Streitet man doch im größten Militärbündnis der Welt gerade darüber, wie viel nukleare Feuerkraft die eigene Sicherheit heute noch braucht. Generalsekretär Rasmussen hat gestern in Berlin - unwidersprochen von Bundeskanzlerin Merkel - noch einmal unterstrichen, dass die Allianz nicht auf ihre atomaren Arsenale verzichten will und so auch zwei Jahrzehnte nach Ende des von Kubrick persiflierten Kalten Kriegs die restlichen US-amerikanischen Sprengköpfe weiter auf deutschem Boden verbleiben werden. Was für ein Wahnsinn, wenn die hoch gepriesene atomare Abschreckung jederzeit durch banale Zufälle und menschliche Schwächen zum atomaren Albtraum werden kann.

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