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Neues Deutschland: zur Trauerkultur um tote Soldaten

    Berlin (ots) - Mit der Zahl der Toten im Krieg, der nun zumindest
»umgangssprachlich« auch in Afghanistan herrscht, wächst immer auch
deren politische Dimension. Zu dieser Dimension gehört, den Tod
ideologisch und ästhetisch zu überhöhen. Durch Worte und Bilder.
Durch die Massenmedien. Fernsehnachrichten zeigen einem
Millionenpublikum die auf Panzern präsentierten Särge. Davor die
Soldaten - »mit versteinerten Mienen angetreten« (»Bild«).         Der
zuständige General findet bei seiner Rede martialische Worte: »Ihr
Tod darf nicht vergebens sein! Wir geben nicht klein bei. Wir werden
weiter kämpfen und wir werden gewinnen!«
Ohne Sieg kein Sinn? Und der Sinn des Siegs? Über wen und wofür
eigentlich? Dies sind die Fragen, die sich nach dem Tod weiterer
Bundeswehrsoldaten in Afghanistan und nach dem von Bundeswehrsoldaten
verschuldeten Tod weiterer afghanischer Soldaten für die deutsche
Politik stellen. Stattdessen ist eine bizarre Debatte entbrannt um
Kampfhubschrauber, Aufklärungsdrohnen und Artillerieunterstützung.
Derweil beklagt der Historiker Manfred Hettling die unterentwickelte
öffentliche und politische Trauerkultur in Deutschland. »Aber
verschämte Ersatzlösungen helfen auch nicht weiter«, so der Professor
an der Universität Halle-Wittenberg.
Nur gemach. Wenn der Krieg durch Politik und Medien erst hinreichend
kultiviert ist, werden die Deutschen auch wieder lernen, öffentlich
zu trauern - kulturvoll.

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