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Neues Deutschland: zur Debatte um Josef Ackermann

    Berlin (ots) - Geht ein Jahr zur Neige, haben Rückblicke auf dasselbe gewöhnlich Konjunktur. Wirtschaftlich betrachtet, schmiert letztere freilich derzeit ab. Nicht gänzlich ohne das Zutun der Zunft der Banker und Finanzjongleure, wie inzwischen jedes Kind weiß. Was erscheint da nicht angebrachter als ein bisschen Selbstkritik, wird sich auch der Chef der Deutschen Bank, Herr Ackermann, gesagt haben. Josef räumt ein, er samt seinen Brüdern habe Fehler gemacht, aus denen es nunmehr die Lehren zu ziehen gelte: »Ich bekenne, gesündigt zu haben, in Gedanken, Wort und Tat, mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa!« Jedoch: Ackermanns Verweis aufs Subjektive ist trügerisch. Er hat genauso viel System wie sein Versprechen zweistelliger Renditen, das dem globalen Absturz des Finanzsystems vorausging. Seinerzeit wurde nichts anderes von ihm und seiner Spezies erwartet. Angesichts des noch nicht überschaubaren Scherbenhaufens ist statt ungehemmter Plusmacherei jetzt öffentliche Reue angesagt. Denn nichts könnte dem dahinterliegenden System gefährlicher werden als eine breite öffentliche Debatte über dessen reale und geistige Strukturen. Marktfundamentalismus und Verteufelung jedweden staatlichen Tuns bzw. »Privat geht vor Katastrophe« waren die Grundsätze, mit denen Wohlfahrt für alle versprochen wurde. Der Schein des Naturgegebenen jenes Zusammenhangs ist allerdings erst einmal verflogen. Da helfen auch Schuldbekenntnisse nicht.

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