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NRZ: Das Chaos bricht sich Bahn - ein Kommentar von JAN JESSEN

Essen (ots) - Es war ein Hoffnungsschimmer. Vor einem Jahr zog die prokurdische HDP ins türkische Parlament ein. Es schien, als könne das Land den Weg der Aussöhnung zwischen Kurden und Türken fortsetzen, schneller und energischer noch als in den Jahren zuvor. Vorbei. Aus politischem Kalkül ist die Gewaltspirale wieder in Gang gesetzt worden. Von der Regierungspartei AKP und Präsident Erdogan, aber auch dem militanten Flügel der PKK, der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei. Erdogan brauchte die Eskalation, um sich als starker Mann positionieren zu können; der radikale Flügel der PKK brauchte sie für die Daseinsberechtigung der Organisation. Ein Jahr nach der Wahl sehen manche Städte im Südosten der Türkei aus wie jene in den Kriegsgebieten im Irak und in Syrien. In Istanbul und Ankara explodieren Bomben. Nicht nur die der PKK. Auch der sogenannte "Islamische Staat" beißt die Hand, die ihn vielleicht gefüttert, vor allem aber viel zu lange hat gewähren lassen, weil die Terrormiliz im Norden Syriens die kurdischen Autonomie-Bestrebungen angriff. Der Hass zwischen Kurden und Türken ist wieder lichterloh aufgeflammt, auch in deutschen Städten. An Deeskalation hat derzeit keine Seite ein Interesse. Die Kompromisslosigkeit der Konfliktgegner hat die Türkei anstatt auf den Weg der Aussöhnung auf den Weg in einen autoritären Staat geführt. Aber selbst ein solcher Staat kann zerbrechen, wenn sich das Chaos Bahn bricht. Das hat das Beispiel des Nachbarlandes Syrien gezeigt. Es sollte allen Beteiligten ein warnendes Beispiel sein.

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