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NRZ: Schwierige Gauck-Nachfolge - ein Kommentar von Manfred Lachniet

Essen (ots) - Persönlich kann man Joachim Gauck gut verstehen. Mit 76 Jahren freut er sich bestimmt, wenn er ab dem nächsten Jahr rüstiger Rentner sein darf. Und auch seine um 20 Jahre jüngere Frau wird bei der künftigen Lebensplanung ein Wort mitgeredet haben. Das alles ist nachvollziehbar. Ganz anders sieht es politisch aus. Wenn Gauck im kommenden Februar nicht mehr als Bundespräsident antritt, dann muss die Bundesregierung einen neuen Kandidaten finden - und genau das passt aktuell gar nicht. Schließlich spiegelt die Wahl des Staatsoberhaupts die Machtverhältnisse wider. Aber wie werden die 2017 sein? Große Koalition, Schwarz-Grün - oder gar ein linkes Bündnis Rot-Rot-Grün? Kein Mensch weiß das, alles ist möglich. Und darum wird sich die Bundesregierung so bald nicht auf einen Mann oder eine Frau einigen können. Schäuble, Steinmeier, Kretschmann, Lammert. Bei all diesen Namen steckt Kalkül dahinter. Gaucks Verzicht setzt Merkel und Gabriel unter Druck. Denn sieben Monate nach der Präsidentenwahl geht es schon um die nächste Bundesregierung. Jeder Kandidat müsste also neue Machtverhältnisse vorwegnehmen. Derzeit praktisch unmöglich. Darum wäre es eine gute Idee, wenn jede Partei einen eigenen Kandidaten aufstellt. Ein offenes Verfahren würde dem Ansehen unserer Demokratie gut tun. Am Ende wird ein guter Kandidat seine Mehrheiten finden. Bis dahin wird Gauck das Land weiter repräsentieren. Seine kluge Art, auch strittige Fragen aufzuwerfen, hat ihm großen Respekt eingebracht. Jeder und jede Neue wird sich daran messen müssen.

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