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NRZ: Nur eine freundliche Geste - ein Kommentar von JULIA EMMRICH

Essen (ots) - Seit Jahren kümmert sich die Politik um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Gemeint war damit aber meistens nur der erste Teil der Geschichte: Wie kriegt man Kinder und Job unter einen Hut? Der zweite Teil blieb lange unterbelichtet: Wie kriegt man Job und Pflege unter einen Hut? Das kollektive Weggucken bei diesem Thema lag auch daran, dass die meisten pflegebedürftigen Menschen von Frauen gepflegt wurden, die entweder bereits im Rentenalter oder eben nicht berufstätig waren. Doch es gibt auch die anderen: Jeder zweite Berufstätige in Nordrhein-Westfalen kümmert sich neben dem Job um Kindererziehung oder Altenpflege. Und es gibt nicht wenige, die beides tun. Berufstätige Angehörige, die Familienmitglieder pflegen, haben die volle Unterstützung verdient: flexible Arbeitszeitmodelle, solidarische Kollegen, faire Arbeitgeber. Und sie hätten im Grunde das Gleiche verdient, was junge Eltern mit dem Elterngeld bekommen: mindestens ein Jahr Lohnersatz. Doch dafür fehlt das Geld. Das, was die Koalition jetzt stattdessen plant, ist eine freundliche Geste: Die zehntägige, bezahlte Auszeit ist hilfreich - doch wer kann sich schon leisten, über Monate oder sogar Jahre hinweg die Arbeitszeit und damit den Lohn zu reduzieren? Das Pflegeland Deutschland steht noch ganz am Anfang.

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