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NRZ: Das Verbot kann nur ein Anfang sein - ein Kommentar von JAN JESSEN

Essen (ots) - Wer in Deutschland für den "Islamischen Staat" wirbt, kann ab sofort dafür bestraft werden. Das Betätigungsverbot für die Terrortruppe war überfällig und ist ein starkes Zeichen dafür, dass der Rechtsstaat sich von seinen Feinden nicht auf der Nase herumtanzen lässt. Ein besonderes Augenmerk muss jetzt den sozialen Medien gelten, die von den Fanatikern als wichtigstes Rekrutierungsinstrument eingesetzt werden. Ähnlich der neonazistischen speist sich die aktuelle dschihadistische Szene aus einem Pool meist ungebildeter, perspektivloser junger Männer, die durch einfachste Parolen und markante Bilder radikalisiert werden können. Verbannen Facebook und Co. konsequent IS-Symbolik und Sympathiebekundungen, hätte das nicht zu unterschätzende Auswirkungen. Damit ist es aber nicht getan. Um Radikalisierungstendenzen vorzubeugen, müssen Aussteiger- und Aufklärungsprogramme wie "Wegweiser" oder "Hayat" weiter ausgebaut werden. Vor allem aber sind die muslimischen Gemeinden gefragt. Sie sollten selbst aktiver in der Präventionsarbeit werden, deutlich herausstellen, dass alles das, wofür der IS und andere Fanatiker stehen, nicht vereinbar ist mit dem Islam des 21. Jahrhunderts und seinen Wertvorstellungen; sie müssen jede Art von Sympathiebekundungen, auch die klammheimlichen, anprangern und unterbinden. Der Kampf gegen die Pervertierung ihres Glaubens ist einer, den federführend die Muslime ausfechten müssen. Verachtung kann eine bessere Waffe sein als Verbote.

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