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NRZ: Die Sünden der Vergangenheit - ein Kommentar von PETER HAHNE

Essen (ots) - Die Deutsche Bank kommt nicht zur Ruhe. Deutschlands größtes Geldhaus hat sich zwar nach den Skandalen der Finanzkrise einen Kulturwandel verordnet, zugleich aber seit Jahren mit einer Prozesslawine die Sünden der Vergangenheit zu bewältigen. Jürgen Fitschen, heute Co-Vorstand und somit verantwortlich für mehr Moral bei Geldgeschäften, bleibt von der juristischen Aufarbeitung nicht verschont. Die Staatsanwaltschaft München erhebt Anklage, weil Deutschlands mächtigster Banker im Kirch-Prozess angeblich die Anwälte der Bank nicht davon abgehalten hat, die Justiz zu täuschen. Versuchter Prozessbetrug durch Unterlassen also? Sachte. Man wird sehen. Fitschen ist Angeklagter, nicht Verurteilter. Noch hat das Gericht kein Verfahren eröffnet; und es ist offen, ob es überhaupt dazu kommt. Selbst wenn man Bankern grundsätzlich skeptisch gegenüberstehen mag: Fitschen, der stets beteuert, weder gelogen noch betrogen zu haben, hat einen fairen Umgang verdient. Bis zum Beweis des Gegenteils ist er unschuldig. Für Fitschen spricht, dass er sich nicht auf einen Deal mit der Staatsanwaltschaft eingelassen hat. Der moderne Ablasshandel à la Ecclestone hat das Vertrauen in den Rechtsstaat ohnehin schon über Gebühr strapaziert. Gut, dass der Deutsche-Bank-Chef die Schuldfrage in einem ordentlichen Gerichtsverfahren klären lässt. Dafür gebührt ihm Respekt. Sollte er eines Tages verurteilt werden, wird er freilich den Kulturwandel seines Hauses nicht mehr glaubwürdig verantworten können.

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