NRZ: Inklusion braucht Zeit - ein Kommentar von PETER TOUSSAINT

Essen (ots) - Das Ziel ist richtig: Wenn immer das möglich ist, sollten Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam unterrichtet werden. Das nennt man "Inklusion" - und das ist ein kaltes Technokratenwort für eine Idee, die unser Leben wärmer machen kann. Wer im Sommer den "Tag der Begegnung" feiert, der merkt, wie viel Kraft aus dem gemeinsamen Handeln erwächst. Wer bei den Paralympics die Medaillen bejubelt, der sieht, zu welchen Höchstleistungen die Athleten fähig sind - trotz ihrer Einschränkungen. Doch die Menschlichkeit einer Gesellschaft lässt sich nicht an solchen Feiertagen ablesen. Sie muss sich im Alltag beweisen. Und dazu gehört auch Schule. In den Förderschulen in NRW arbeiten Lehrerinnen und Lehrer mit großem Einsatz. Das ist oft eine schwere Aufgabe, die mit vielen kleinen mühsamen Schritten zum Erfolg führt. Bevor die Landesregierung darangeht, diese Schulen zu schwächen, müssen die neuen Klassen gut vorbereitet und aufnahmebereit sein. Das sind sie noch nicht. Deshalb tut die Ministerin gut daran, das Tempo aus dem Verfahren zu nehmen. Schüler ohne Handicap erlernen im Unterricht mit gehandicapten Schülern viel an sozialer Kompetenz. Aber Unterrichtstempo und Lerninhalte dürfen dabei nicht auf der Strecke bleiben. Das heißt: Es müssen deutlich mehr Lehrer her. Wenn die Klassen klein sind, wird auch die Skepsis vieler Eltern weichen. Denn das Ziel ist gut. Aber Politiker werden an Taten gemessen. Und deshalb muss die Schulministerin noch Hausaufgaben erledigen. Spätestens nach den Weihnachtsferien.

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