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Westfalenpost: Türkei

Hagen (ots) - Ein "Geschenk Gottes" hat Recep Tayyip Erdogan den Putschversuch des Militärs genannt. Zweifelsfrei, aus seiner Sicht mag es stimmen. Der Staatspräsident räumt seither im Land brutal auf, verabschiedet sich im Eiltempo von rechtsstaatlichen Prinzipien und baut seine Alleinherrschaft aus. Dabei hilft ihm der Ausnahmezustand, der seither gilt. Wer an der Regierung Kritik übt, wird als Feind der Nation abgestempelt. Das macht es leicht, Andersdenkende als Terroristen zu verfolgen. Die Säuberungs-und Verhaftungswellen dauern bis heute an. Noch am Jahrestag sind per Dekret 7563 Staatsbedienstete, darunter Polizisten, Soldaten und Mitarbeiter von Ministerien, entlassen worden. Alles Putschisten? Dass der gescheiterte Staatsstreich angesichts dieser Entwicklung mit großem Pomp als ein Sieg der Demokratie gefeiert wird, wirkt, weil es in Wahrheit eine Niederlage ist, so befremdlich wie das martialische Auftreten Erdogans. Die Jubelszenen täuschen. Die Menschen sehnen sich nach Normalisierung, nach einem Ende des Ausnahmezustands und der Jagd auf vermeintliche Gegner. Die Resonanz jüngst auf den Gerechtigkeitsmarsch war riesig. Ein Lichtblick. Vielleicht auch "ein Geschenk Gottes"? Der Opposition im Land sei es zu wünschen.

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