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Westfalenpost: Christian Kerl zur Gauck-Nachfolge

Hagen (ots) - Wenn die Bürger den nächsten Bundespräsidenten direkt wählen könnten, hieße das Staatsoberhaupt wahrscheinlich Frank-Walter Steinmeier. Der Außenminister ist nach allen Umfragen der Favorit der Deutschen. Er gilt trotz seines SPD-Parteibuchs als überparteilich und als kluger Redner obendrein. SPD-Chef Gabriel ist sich breiter Zustimmung gewiss. Aber warum meldet sich der Vorsitzende erst jetzt, nachdem er - vergeblich - der Theologin Käßmann die Kandidatur antrug? Ist Steinmeier nur der Ersatz für die umstrittene Kirchenfrau? Sicher nicht. Der Parteichef weiß, dass der Außenminister keine Chance auf das Amt hat. Die Union wird ihn aus parteipolitischen Gründen nicht mitwählen. Als rot-rot-grüner Kandidat andererseits taugt der Außenminister nicht, weil die Linkspartei signalisiert hat, dass sie den Sozialdemokraten auf keinen Fall unterstützt. Für sie betreibt Steinmeier jene militarisierte Außenpolitik, die die Linke bekämpft. Beliebt und chancenlos: Bislang wollte die SPD-Spitze dem Genossen eine solche Debatte ersparen. Dass Gabriel nun Steinmeier ins Spiel bringt, hat taktische Gründe: Die Suche nach einem überparteilichen Kandidaten, den Union, SPD und die Grünen gemeinsam tragen, kommt nicht voran. Echte Alternativen haben sie nicht. Ein gutes Bild geben Union und SPD also nicht ab. So ist jetzt die Zeit der Nebelkerzen gekommen. Dass es diesmal so holprig läuft, liegt an den schwierigen Mehrheitsverhältnissen in der Bundesversammlung. Außerdem liegt es daran, dass honorige Persönlichkeiten den Ruf ins höchste Staatsamt nicht mehr als größte Ehre betrachten, sondern dankend absagen.

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