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Westfalenpost: Westfalenpost zum Literaturnobelpreis für Bob Dylan

Hagen (ots) - Unter Kollegen hatten wir schon gelästert: Wer wird es diesmal, den man nicht kennt. Und wieder überrascht die Literaturnobelpreis-Jury. Denn Bob Dylan ist sicherlich der populärste Preisträger aller Zeiten. Außerdem stellt sich bei dem amerikanischen Sänger und Songwriter die Frage gar nicht erst, die sonst für hitzige Debatten sorgt: ob der Laureat nun aus politischen Gründen oder wegen der Qualität seines Schaffens ausgewählt wurde. Denn Bob Dylans Liedtexte vereinen beides. Sie sind hochpolitisch, sie spiegeln die Träume, die Hoffnungen, aber auch die Krisen und Anklagen unserer Zeit. Gleichzeitig setzt Dylan Maßstäbe, was das dichterische Format seiner Lyrik angeht. Er hat zahllose Musiker und andere Künstler beeinflusst. Und mit seiner immerwährenden Tournee tritt er in die Nachfolge des romantischen Wanderers a la Eichendorff, der Freiheit und Ungebundenheit wählt, dafür aber Einsamkeit, Außenseitertum und Unbehaustheit in Kauf nehmen muss. Zum ersten Mal erkennt die Stockholmer Literatur-Jury mit Bob Dylan an, dass die Genres der Populärkultur höchsten künstlerischen Rang spiegeln können. Damit ist der Literaturnobelpreis endlich in der Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts angekommen.

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