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Westfalenpost: Miguel Sanches zum Verhältnis CDU/CSU

Hagen (ots) - CDU und CSU fremdeln. Vielleicht gibt sich das wieder. Darauf wetten sollte man lieber nicht. Frei von Rivalität war das Verhältnis nie. In den 70er und 80er Jahren stritten die Alphatiere Franz-Josef Strauß und Helmut Kohl. Es waren Hahnenkämpfe. Was dem CSU-Chef heute an der CDU-Kanzlerin stört, ist nicht Führungsschwäche. Er unterschätzt Angela Merkel nicht. Vor einem guten Jahr traute er ihr sogar eine absolute Mehrheit für die Unionsparteien im Bund zu. Der Dissens zwischen beiden ist heute ernster und fundamental. Es geht um die Grundausrichtung in Europa, um den Umgang mit rechten Populisten, um die Weichenstellung für die Bundestagswahl 2017. Es fällt auf, dass die scharfen Töne von der CSU kommen; umgekehrt agiert die CDU eher deeskalierend. Man kann über die CSU sagen, was man will, ein Gespür für Stimmungen hat sie oft bewiesen. Es macht sich gerade eine "Merkel-muss-weg-Stimmung" breit. Wenn die Kanzlerin wieder antritt, wird die nächste Bundestagswahl verhohlen oder erklärtermaßen zur Abstimmung über ihre Flüchtlingspolitik. Und die CSU hat Angst davor. Vielleicht kann die CDU im Bund geschwächt weiter regieren. In Bayern liegt die Messlatte höher. Dort glaubt die CSU die absolute Mehrheit nur behaupten zu können, indem sie die AfD programmatisch vorwegnimmt. Das ist eine riskante Strategie. Sie kann nach hinten losgehen. Im Moment erreichen Seehofer und die CSU genau das Gegenteil. Sie machen die AfD stark und deren Positionen salonfähig. Wenn die CSU für eine Obergrenze von 200 000 Flüchtlinge eintritt, wird die AfD 100 000 fordern. Oder Null. Der Wettlauf ist nicht zu gewinnen. Nicht so.

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