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Westfalenpost: Martin Korte zur US-Panzerentsendung

Hagen (ots) - Eine ganze Menge US-Amerikaner fragen sich gerade: Warum schützen die Europäer sich eigentlich nicht selbst? Warum müssen wir mit unserem Steuergeld eine wirtschaftlich intakte Region unterstützen, die gut 10 000 Kilometer entfernt ist? Warum sind 28 EU-Staaten nicht in der Lage, eine eigene schlagkräftige Truppe aufzubauen? So ganz von der Hand zu weisen sind diese Argumente nicht. Zumal US-Präsident Obama erst vor einem Jahr einen weiteren Truppenabbau in Europa angekündigt hat - um jährlich 500 Millionen Dollar zu sparen. Nun eine Art Kehrtwende. Sie ist eine Reaktion auf die russische Aggression in der Ukraine und auf die Angst osteuropäischer Staaten vor einem weiteren Ausdehnungsdrang Putins. Die Sorgen Polens, Litauens und anderer sind verständlich. Die entscheidende Frage aber ist: Bringen mehr Waffen mehr Sicherheit? Schrecken die Panzer ab? Eigentlich hatten wir die Aufrüstungsdynamik des kalten Kriegs doch schon unter der Rubrik "historisch" abgehakt. Der Syrien-Konflikt zeigt gerade, wie wichtig Kooperation und wie wenig zielführend Konfrontation ist. Die beiden Großmächte sollten hier Vorbilder sein. In diesem Sinne ist die amerikanische Entscheidung kontraproduktiv: Ein verletzter Bär beruhigt sich nicht, er wird aggressiv. Putin wird mit Aufrüstung antworten - wenn er wieder über mehr Geld verfügt (was der Fall sein wird, sobald der Ölpreis wieder steigt). Zudem droht das Säbelrasseln den Friedensprozess in Syrien zu gefährden. Diese Art der Abschreckung ist nicht mehr zeitgemäß. Und ob sie funktioniert, wollen wir lieber erst gar nicht erfahren.

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