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Westfalenpost: Sicherheit bleibt auf der Strecke Von Joachim Karpa

Hagen (ots) - Die zündende Idee für reichlich Gesprächsstoff kommt in dieser Woche aus Sachsen. Die Züge der Mitteldeutschen Regiobahn sind zwischen Chemnitz und Leipzig seit Ostern mit speziellen Abteilen für Frauen unterwegs. Auf 81 Kilometern sind sie künftig sicher. Wer das hört, will es nicht glauben. Satire oder Wahrheit? In welchem Land und in welchen Zeiten leben wir? Trennung der Geschlechter bei der Bahnfahrt? Warum nicht auch im Bus? In der Kneipe? Oder am Stand auf dem Markt? Viele Fragezeichen. Sie schreien nach Antworten. Schutzräume für Frauen in Zügen können zur Verhinderung von Übergriffen nicht die Lösung sein. Die gesellschaftlichen Probleme mit Männern, die Frauen als Freiwild sehen, sie belästigen oder sexuell attackieren, werden nicht verhindert, wenn sich Frauen in Sonderbereichen bewegen. So bestimmt der mutmaßliche Täter, wo sich das vermeintliche Opfer aufhält. Er stellt die Regeln auf, grenzt die Freiheit der anderen mit seinem widerwärtigen Verhalten ein. Nein, das darf und kann nicht sein. Das wäre das Ende unserer Zivilgesellschaft. Sie muss sich wehren, muss Courage zeigen, muss eben auch im Zug einschreiten, wenn sich Übergriffe andeuten - und wenn es der Ruf nach der Polizei ist. Niemand darf sich mitten in der Gesellschaft in einer Notsituation von der Welt verlassen fühlen. Für einen Moment mag ein Frauenabteil das Sicherheitsgefühl fördern, von belastbarer Dauer ist das nicht. Es nutzt nichts, wenn dies mangels Personal nicht kontrolliert wird. Übeltäter müssen spüren, dass ihnen Strafe droht. Unmittelbar, zeitnah, mit erzieherischem Effekt. Wenn nicht, bleibt die Sicherheit auf der Strecke. Auch in Sachsen auf 81 Kilometern.

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