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Westfalenpost: Als Kulisse ohne Zukunft
Kommentar von Joachim Karpa zu den leeren Kirchen

Hagen (ots) - Vor mehr als fünfzig Jahren hat Albert Schweitzer diesen Satz formuliert. Er stimmt bis heute: "Wer glaubt ein Christ zu sein, wenn er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht." Der Mediziner, Philosoph und Theologe hat Recht. Wenn die Kirche ihre Glaubwürdigkeit verliert, wenn sie weit weg vom Menschen ist, und wenn der Bezug zum Alltag fehlt, bleiben die Bänke leer.

Dass sich ein ganz anderes Bild bietet, wenn Weihnachten ist, das Fernsehen kommt oder der eigene Nachwuchs zur Kommunion oder Konfirmation geht, spricht nicht dagegen. Es spricht Bände. Die Kirche als Kulisse, die Kirche als Aushängeschild für einen Glauben, der nicht gelebt wird.

An oberflächlicher Kritik am Gottesdienst, an der Messe fehlt es nicht. Hier nervt die dünne Predigt, da stört die steife Liturgie, dort ist es in der Kirche zu kalt. Das ließe sich abstellen. Nein, die Entwicklung greift tiefer. Nicht erst seit den jüngsten Skandalen in der katholischen Kirche, deren Liste schlicht zu lang ist, um sie aufzuzählen. Vielmehr nimmt der Bezug der Bundesbürger zum christlichen Glauben ab. Schleichend. Frömmigkeit spielt nur eine untergeordnete Rolle. So ist Christsein pro forma nicht von Dauer - und der Kirchgang als Event bald austauschbar.

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