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Westfalenpost: Andreas Thiemann zum aktuellen Weihnachtsgefühl: Krisenzeiten sind immer auch Kirchenzeiten

Hagen (ots) - Sehnsucht heißt ein altes Lied der Taiga, so sang Ende der 60er Jahre die unvergessene Schlagerinterpretin Alexandra mit warmem Timbre tief in die deutschen Seelen hinein. Sehnsucht, so kann man nun feststellen, hat abermals Hochkonjunktur. Inmitten mannigfacher Krisen besinnen sich die Deutschen auf ihre melancholische Mentalität. Und das hat verschiedene Auswirkungen. Ganz profan steigert es zu Weihnachten die Kauflust. Denn wozu noch sparen bei den fast Null-Zinsen und der ungewissen Zukunft? Zum anderen aber steigt doch auch der Wunsch nach Orientierung bei solch innerer Verunsicherung. Da kommen die Weihnachtsgottesdienste gerade recht. Tatsächlich rechnen die Pfarrer mit besonders vollen Kirchen am Heiligabend, denn sie wissen: Krisenzeiten sind Kirchenzeiten. Das widerspricht auch keineswegs jüngsten Umfragen, wonach nur noch jeder zweite Bundesbürger eine gewisse Nähe zum Glauben und zur christlichen Religion empfindet. Egal, Weihnachten wird gern eine Ausnahme gemacht, Weihnachten ist absolut mehrheitsfähig: Die Kerzen, die Lieder, der geschmückte Baum, die sakrale Umgebung und die auf eine überschaubare Stunde erlebte Gemeinschaft - darauf mag man nicht verzichten. Wie immer auch das Wort "Seelenheil" dabei definiert werden mag. Und die Pfarrer auf der Kanzel wollen dieses Sehnsuchtsgefühl nicht mit kritischen Tönen torpedieren. Sie sehen vielmehr in der Christvesper eine echte Chance für ihre frohe Botschaft. Und wer weiß, ob nicht doch der ein oder andere von dem berührt wird, was er da sieht und hört. Sehnsucht, das ist eben mehr als nur ein altes Lied der Taiga.

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