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Westfalenpost: Wilfried Goebels zum Sabbatjahr

Hagen (ots) - Mehr als 70 Prozent der deutschen Arbeitnehmer träumen von einer beruflichen Auszeit. Einmal nach dem Motto "Ich bin dann mal weg" die Seele baumeln lassen, das wär's. Zur Wahrheit aber gehört: Selbst wenn der Arbeitgeber grünes Licht gibt - man muss sich das unbezahlte arbeitsfreie Jahr auch leisten können. Dass nur ein Prozent der Staatsdiener im einfachen und mittleren Dienst ein Sabbatjahr einlegen, ist kein Zufall. Ungeklärt bleibt die Frage, warum Beschäftigte zeitweise aussteigen wollen. Überarbeitung, Reisefieber, Pflege von Verwandten? Das Sabbatjahr kann eine Win-win-Situation sein, wenn Arbeitgeber in Phasen des Personalabbaus Interesse an der unbezahlten Auszeit des Mitarbeiters haben. Dass aber gerade jetzt Tausende Lehrer befristet aussteigen wollen, wenn jede Kraft zur Bewältigung der Flüchtlingsströme gebraucht wird, passt nicht. Nordrhein-Westfalen sollte die großzügige Bewilligungspraxis durchdenken. Dabei löst das "Sabbatical" längst auch in Kreisen der Gutverdiener in der Wirtschaft kollektive Fantasien aus. Autokonzerne wie Volkswagen und Daimler-Benz locken Arbeitnehmer mit dem Angebot von Langzeitkonten. Da können Überstunden angespart oder unbezahlte Freistunden genommen werden. Dass das Sabbatjahr in der Wirtschaft seltener genutzt wird als im öffentlichen Dienst, hängt nicht zuletzt mit der Angst um den Arbeitsplatz zusammen. Hier jedenfalls sind die unkündbaren Staatsdiener mit dem weitreichenden Anspruch auf eine befristete Auszeit deutlich im Vorteil. Aber wie gesagt: Man muss sich den unbezahlten Urlaub auch leisten können.

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