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Westfalenpost: Harald Ries über Angriffe aufs Bahnpersonal: Die Welt, in der wir leben wollen

Hagen (ots) - Die Klagen der Bahn-Beschäftigten gleichen denen vieler Polizisten, Feuerwehrleute oder Rettungsdienst-Mitarbeiter: Sie sind zunehmend Aggressionen bis hin zu körperlichen Angriffen ausgesetzt. Dass der Schienenkonzern darauf mit Bahnhofs- und Zugverboten reagieren will, ist so verständlich wie richtig, hat aber mehr Symbolwert als praktischen Nutzen.

Die Probleme liegen tiefer und haben zwei Hauptursachen: Die alte Autorität ist weg. Die Uniform sorgt nicht mehr automatisch für Respekt. Bei Schaffnern, die Reisende einst als Befehlsempfänger behandelten und nun freundlich Getränke offerieren sollen, wirkt sich das noch stärker aus als bei Rettungs- und Ordnungskräften. Der Abschied von Untertanengeist ist zunächst erfreulich. Zum Problem wird er in Kombination mit einer anderen Tendenz: der kompletten Konzentration vieler Menschen aufs Ich. Nur der Nutzen fürs Ego zählt, die Umwelt wird als Störfaktor bei der Erreichung eigener Ziele betrachtet. Das hängt mit unserer Wirtschaftsordnung zusammen, mit Zeitdruck, Überforderung, blank liegenden Nerven und der (häufig leider berechtigten) Überzeugung: Der Rücksichtsloseste setzt sich durch.

Nun ist aber durchaus nicht alles überall schlechter geworden. In vielen Bereichen unseres Alltags klingt der Umgangston heute sogar deutlich angenehmer als früher. Es ist lediglich eine Minderheit, die sich so rüde aufführt. Und wenn die Männer und Frauen in Uniform nicht mehr die Autorität haben, Verbalrandalierer und Schläger in die Schranken zu weisen, sollte es die Mehrheit der zivilen Zivilisierten zumindest versuchen. Signalisieren, was nicht hinnehmbar ist. Vorsichtig, aber konsequent. Wir müssen die Welt, in der wir leben wollen, selbst schaffen.

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