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Westfalenpost: Was uns eine menschliche Gesellschaft wert ist
Kommentar von Stefan Hans Kläsener zum Attentat von Ottawa

Hagen (ots) - Jens Stoltenberg hat die wohl dunkelsten Stunden seiner politischen Karriere erlebt, als er nach dem verheerenden Attentat eines rechtsradikalen Verwirrten auf der Insel Utoya im Angesicht der überlebenden Opfer und der Angehörigen der Getöteten eine Rede halten musste. Eine Aufgabe, die so schwer ist wie die Rede am Grab eines Kindes. Der norwegische Ministerpräsident überraschte 2011 die Welt mit den trotzigen Worten: "Noch sind wir geschockt, aber wir werden unsere Werte nicht aufgeben. Unsere Antwort lautet: mehr Demokratie, mehr Offenheit, mehr Menschlichkeit." Was für Sätze, was für Worte! Sie kommen in den Sinn, wenn wir Nachrichten wie die von dem Attentat in Ottawa oder dem hanebüchenen Vorfall am Weißen Haus hören, wo Attentäter offenbar durch Überrumpelungstaktik die hochgerüsteten Sicherheitssysteme überwinden und Tod und Verderben bringen wollen. Natürlich müssen sich nicht nur der amerikanische Secret Service, sondern auch die kanadischen Sicherheitsdienste jetzt höchst unangenehme Fragen gefallen lassen. Und sicherlich dürfen die Bürger zivilisierter Staaten erwarten, dass Geheimdienste und Polizei alles tun, um Amokläufe, Attentate und feige Anschläge aller Art zu unterbinden. Aber es lässt sich eben nicht alles verhindern, schon gar nicht ohne einen erheblichen Preis an gesellschaftlicher Freiheit. Das aber ist die entscheidende Frage: Wollen wir, um der vermeintlichen Sicherheit willen, unser ganzes Leben in einen Käfig polizeilicher Maßnahmen sperren? Die Antwort von Jens Stoltenberg sollten auch wir geben: Eine offene Gesellschaft ist verwundbar und kann sich manchmal nur nachträglich wehren. Aber sie ist eine menschliche Gesellschaft, und das ist es uns wert.

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