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Westfalenpost: Der gläserne Versicherte ist das falsche Ziel Von Andre Schweins

Hagen (ots) - Seit zehn Jahren dürfen Krankenkassen Bonusprogramme anbieten. Die Teilnahmebereitschaft der gesetzlich Krankenversicherten an Präventionskursen ist trotz der in Aussicht gestellten pekuniären Vorteile ernüchternd. Das Reduzieren der Gesundheitsausgaben wird für die Kassen in einer immer älter werdenden Gesellschaft jedoch mehr und mehr zur Grundlage einer auskömmlichen Bilanz. Dennoch geht die BKK-Forderung zu weit, künftig aktiver die Prävention der Versicherten mitgestalten zu können.

Sicherlich ist es ärgerlich, wenn Empfehlungen des behandelnden Arztes zwar von ihm festgehalten, aber in der Folge nicht weiter verfolgt werden. Die Daten in eine Dokumentation einfließen zu lassen, die anschließend auch die Krankenkasse als zusätzlicher Gesundheitsberater nutzt, das höhlt die Rechte der Versicherten allerdings aus. Denn aus dem Patienten hinter der Schutzmauer der ärztlichen Schweigepflicht würde zumindest auf Vorsorge-Ebene der gläserne Versicherte.

Die Krankenversicherungen möchten weg vom für sie zu engen Korsett als reiner Kostenverwalter. Weg von der Ohnmacht, in Leistungsabrechnungen zwar Ansätze, aber keine finale Umsetzung von Präventivmaßnahmen zu erkennen. Die Forderung nach einem sehr persönlichen Gesundheitsplan ist daher nachvollziehbar - und für jeden von uns ein erstrebenswertes Ziel.

Diesen Plan gilt es jedoch mit dem Arzt des Vertrauens zu erstellen. Eine individuelle (zusätzliche) Beratung durch die Krankenkasse wirkt da wie ein Fremdkörper und nicht wie wohldosierte Medizin. Und würde für den Versicherten allein wie eine Drohung wirken. Diese Folge in einem Präventionsgesetz zu verankern, darf in den politischen Gesprächen nicht durchdrückbar sein.

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