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Westfalenpost: Kein starkes Signal Von Harald Ries

Hagen (ots) - Die Prominenz war sehr gut vertreten auf der Berliner Kundgebung gegen Judenhass. Und an ihren Reden ist nichts zu kritisieren. Solidarität mit den Juden ist offenbar Staatsräson in Deutschland - um ein Zitat von Angela Merkel abzuwandeln. Doch sie erfolgt offenbar nur auf Anforderung. Der Zentralrat hat die gestrige Veranstaltung selbst organisieren müssen. Sonst war wohl keiner auf die Idee gekommen.

Das mag damit zusammenhängen, dass die meisten Bürger keine gefährliche Welle von Antisemitismus erkennen. Ein paar vom Gaza-Krieg aufgebrachte arabisch- oder türkischstämmige Schreihälse rufen, so wie kürzlich auch in Hagen, Parolen - na und? Wer eine Kippa trägt und in die Synagoge geht, nimmt die Lage völlig anders wahr. Der fühlt sich bedroht, von wütendem Hass verfolgt. Nicht durch die Mehrheit. Aber die hilft nicht, sondern verhält sich weitgehend gleichgültig.

Das ist das Empörende. Und das hat sich leider durch die Veranstaltung nicht geändert. Maximal 8000 Teilnehmer senden kein starkes Zeichen aus. Dabei sollte es für jeden Deutschen eine selbstverständliche Verpflichtung sein, sich dafür einzusetzen, dass Juden sich hier sicher fühlen können. Wer das wegen seiner Herkunft oder fehlender Bildung nicht weiß, dem müssen wir es künftig deutlicher sagen.

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