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Westfalenpost: Stefan Hans Kläsener zur Kritik am Bundespräsidenten

Hagen (ots) - Noch immer, auch nun zur Hälfte seiner Amtszeit: Man kann über diesen Bundespräsidenten nur staunen. An seine außergewöhnliche Biografie haben wir uns gewöhnt. Auch sein souveränes Auftreten und sein politischer Instinkt sind präsidialer Alltag, und auch das erstaunt, gerade weil er keine Karriere als Spitzenpolitiker hinter sich hat. Seinen Reden hört man gerne zu, sie sind geschliffen, originell und gedankenanregend. Nun gibt es Gegenwind von seinen Ex-Kollegen, evangelischen Pfarrern aus dem Osten Deutschlands. Zuvor war er gar beschimpft worden als "Kriegstreiber", eine peinliche Entgleisung der Linken und ein Tiefpunkt der demokratischen Debattenkultur. Aber was ist es denn eigentlich, das den Widerspruch hervorruft? Gauck sagt, dass die Deutschen der Größe ihrer Bedeutung entsprechend Verantwortung übernehmen müssen - auch militärisch. Das hören wir nicht gern. Es war kuscheliger, den Amerikanern Solidarität zu versprechen und dann ein paar Awacs-Aufklärungsflugzeuge zu schicken. Nun also regelmäßig Kampfeinsätze? Moralische Rigoristen sind in der Politik schlechte Berater, weil sie aus Prinzipientreue das Nötige und Hilfreiche verhindern. So lange es das Böse auf der Welt gibt, wird es Waffen geben müssen - nur bitte in den richtigen Händen. Und wer dem zustimmt, kann nicht generell gegen Rüstungsindustrie und Kampfeinsätze sein. Auf einem ganz anderen Blatt steht, ob der einzelne Kampfeinsatz politisch, diplomatisch, strategisch und langfristig opportun ist. Aber ein blanker Pazifismus kann keine Staatsraison sein. Sonst müssten wir auch die Polizei entwaffnen. Und daher hat Gauck recht.

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