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Westfalenpost: Kreative Ideen statt Veggie-Day-Pflicht Von Harald Ries

Hagen (ots) - Man sollte Vegetariern nicht immer mit Adolf Hitler kommen. Nur ist die Versuchung groß, wenn sie sich penetrant als bessere Menschen präsentieren. Das sind sie durch den Fleischverzicht eben nicht automatisch. Aber man muss sich argumentativ schon sehr verrenken, um zu bestreiten, dass sie Menschen, die Tiere essen, in einem wichtigen Punkt etwas voraushaben.

Wir wissen mehr über unsere enge Verwandtschaft zu anderen Lebewesen als die Jäger in der Frühzeit der Menschheit. Das macht das Töten zu einem größeren moralischen Problem. Dazu kommen die Bedingungen in der industrialisierten Fleischproduktion, die Gesundheit, die Umwelt. Der Flächenverbrauch, der Ärmere möglicherweise um ihre pflanzliche Nahrung bringt. Und jetzt machen uns die reicher werdenden Asiaten den ganzen Unfug nach. Wie bei den Autos. Es ist furchtbar. Wir sollten besser kein Fleisch mehr essen. Doch das ist so unrealistisch wie die Erwartung, wir würden auf Mobilität verzichten.

Aber Fleisch ist doch gar nicht nötig für unsere Ernährung, sagt die Wissenschaft. Mag sein. Doch das übersieht die kulturelle Symbolik des Sonntagsbratens oder die Bedeutung männlicher Grillrituale. Fleisch steht seit Jahrhunderten für gutes Leben. So schnell werfen wir unsere Gewohnheiten und Vorlieben nicht über Bord. Auf Dauer aber wahrscheinlich schon. Die wohlhabenden und gebildeten Westeuropäer essen weniger Fleisch. Sie rauchen weniger. Und fliegen mehr. Die Guten und die Bösen sind nicht so einfach zu identifizieren. Wir brauchen auch keine neuen genussfeindlichen Verbote und Bevormundungen. Keine Veggie-Day-Pflicht. Aber mehr Engagement für den Tierschutz und kreative Ideen für ein fleischärmeres Leben.

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