Westfalenpost

Westfalenpost: Lust an Überraschungen - und ein Versprechen
Kommentar von Stefan Hans Kläsener zum Jahreswechsel

Hagen (ots) - Bleigießen? Glaskugel? Kartenlegen? Horoskope lesen? Nichts ist spannender als die Zukunft. Und nichts ungewisser als alle Aussagen, die sich auf sie beziehen. Ganz gewiss jedenfalls haben die Propheten, die uns die großen Trends vorhersagen, eines verdient: gesundes Misstrauen. Wir hätten natürlich gern ein bisschen mehr Kontinuität und Planungssicherheit, aber wir freuen uns auch auf Überraschungen. Die Zweideutigkeit dessen, was uns bevorsteht, ob es zu unserem Wohle oder von Übel sein wird, gehört zum Menschsein. Und wir haben guten Grund, die Zukunft beherzt zu gestalten und nicht ängstlich abzuwarten. Wer gedanklich zwölf Monate zurückspult und seine Erwartungen in der Silvesternacht 2012 erinnert, muss zwangsläufig staunen. Niemals hätten wir so spannende Wahlkrimis in Niedersachsen und Schleswig-Holstein erwartet, niemals das fulminante Abschneiden der CDU im Saarland, niemals das knappe Rennen in Hessen und auf keinen Fall eine Bundestagswahl, deren Ergebnis alle professionellen Auguren blamierte. Der Euro wackelte mehr als bedrohlich und steht nun erstaunlich solide da. Die Wirtschaftskrise in vielen Ländern Europas schwächte die deutsche Volkswirtschaft nicht, obwohl nahezu alle es vorhersagten, manche sogar zum Alleingang in der Währungsfrage rieten. Im Rückblick wären wir Narren, hätten wir darauf gehört. Aber nun sind wir ja auch schlauer. Sicher ist, dass uns das kommende Jahr politische Weichenstellungen abverlangt. Die Bundesregierung wird, nach einem halben Jahr Pause, ihre Arbeit ebenso aufnehmen wie der Deutsche Bundestag, und die Mischung aus bewährtem Personal und recht unbekannten Aufsteigern verspricht viel Spannung. Es stehen Kommunalwahlen an, die zwangsläufig Veränderungen in den Räten und Rathäusern Südwestfalens nach sich ziehen. Es steht eine Europawahl an, deren Ausgang uns einen neuen Kommissionspräsidenten bescheren wird - den mächtigsten, den Europa je hatte. Und Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg könnten die Landkarte im Osten neu einfärben. Sicher ist, dass das neue Jahr unseren Unternehmen in Südwestfalen viel Innovationskraft abverlangen wird. Die Infrastruktur, ob Hochleistungsinternet oder belastbare Verkehrswege, wird allenfalls allmählich saniert. Die demografischen Veränderungen werden noch deutlichere Spuren hinterlassen, es sei denn, es stellen sich unerwartete Fruchtbarkeit und ein unbändiger Kinderwunsch bei jungen Paaren ein. Sicher ist, dass wir gesellschaftliche Veränderungen bekommen werden. Nehmen wir als Beispiel nur den bemerkenswerten Aufbruch, den ein neuer Papst in Rom - die wohl sensationellste Personalie des ablaufenden Jahres - mit Mut und Hartnäckigkeit angeht. Was wird die Bischofssynode beschließen, die im Herbst tagen soll? Gewinnen die Kirchen möglicherweise wieder einen besseren Zugang zu den Menschen? Dem gesellschaftlichen Klima hat das immer gut getan, ebenso wie die überfälligen und zunehmend fruchtbaren Gespräche über die Religionsgrenzen hinweg. Sicher ist auch, dass wir im neuen Jahr qualifizierte, geprüfte Informationen für unsere Region benötigen - und Orientierung. Beides muss eine Regionalzeitung liefern, wenn sie weiter Bestand haben soll. Es ist ein Versprechen, aber wir werden hart arbeiten, es Ihnen zu erfüllen.

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