Westfalenpost: Zu Videoüberwachung: Die Bilderflut Von Joachim Karpa

   

Hagen (ots) - Die Diskussion über eine Ausweitung der Videoüberwachung im öffentlichen Raum, auf Plätzen, Straßen und in Bahnhöfen, ist neu entbrannt. So ist Politik. Nach dem Vorfall in Bonn muss sie sich melden. Die einen sagen mehr Kontrolle, mehr Bilder, mehr Aufzeichnungen, die anderen sagen weniger ist mehr. Aktionismus vor laufenden Kameras, der in der Regel der Sache nicht dienlich ist. Bei den Äußerungen geht es allein um Präsenz der Person und der Partei auf der politischen Bühne. Ein kurzes Schauspiel. Mehr ist es nicht. Alle, die sich intensiv mit der Terror-Bekämpfung befassen, wissen: Von Kameras lassen sich die Täter nicht abschrecken. Und Kameras lösen die Probleme mit dem Terror nicht. Ihre Linsen schauen bei der Vorbereitung möglicher Anschläge hilflos zu. Ein Beispiel? Am Hamburger Hauptbahnhof sind mehr als 200 Überwachungskameras installiert. Sie produzieren rund um die Uhr eine Bilderflut, in der das Personal untergeht. Die Videoüberwachung mag bei Ladendiebstählen eine abschreckende Wirkung haben. Terroristen kostet sie ein Lächeln. Die Sicherheitsbehörden müssen ihren Kampf gegen Terroristen viel früher beginnen. Dann, wenn sich ein junger Mann in einen Salafisten verwandelt und in den Heiligen Krieg ziehen will.

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