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NOZ: Ex-Ifo-Chef Sinn warnt vor Beschleunigung der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei

Osnabrück (ots) - Ex-Ifo-Chef warnt vor Beschleunigung der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei

Hans-Werner Sinn: Finanzielle Lasten wären nur schwer tragbar

Osnabrück. Der langjährige Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hat vor einer Beschleunigung der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei gewarnt. In einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Dienstag) sagte Sinn: "Damit werden perspektivisch über 80 Millionen Türken das Recht der freien Wohnsitzwahl in Deutschland erhalten." Der Ökonom warnte, dass Deutschland derzeit schon genug Schwierigkeiten mit dem Flüchtlingsstrom habe. Gering qualifizierte Migranten könne man zwar aus humanitären Gründen aufnehmen, sie kämen für die Einheimischen letztlich aber sehr teuer, weil sie auch bei einer Integration in den Arbeitsmarkt weniger Steuern und Beiträge zahlten, als sie an öffentlichen Leistungen zurück erhielten. Deutschland sollte dazu übergehen, sich, wie etwa Kanada, die Zuwanderer auszusuchen. Der ehemalige Chef des Wirtschaftsforschungsinstitutes kritisierte den Türkei-Deal der EU in der Flüchtlingspolitik, für den die Bundesregierung sich stark gemacht hatte. Sinn sagte: "Für die paar tausend Immigranten, die jetzt, zusätzlich zu den Effekten des mazedonischen Zauns, vielleicht noch zurückgehalten werden, macht die Kanzlerin eine Wende bei ihrer Türkeipolitik um 180 Grad und akzeptiert eine Beschleunigung der Verhandlungen für den EU-Beitritt."

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Integration von Flüchtlingen: Langjähriger ifo-Chef fordert Lockerung des Mindestlohns

Sinn: Nur bei sich spreizenden Löhnen gibt es mehr Beschäftigung

Osnabrück. In der Debatte um die Integration von Flüchtlingen hat der langjährige Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, die Lockerung des gesetzlichen Mindestlohns gefordert. In einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Dienstag) schlug Sinn vor, dass Immigranten und junge Einheimische nach ihrem Eintritt in den Arbeitsmarkt ein paar Jahre warten müssen, bis sie Anspruch auf den Mindestlohn haben. Der Ökonom erwartet sonst Schwierigkeiten bei der Eingliederung von Flüchtlingen: "Wenn der Mindestlohn unverändert bestehen bleibt, lässt sich die Integration nicht bewerkstelligen, weil es nicht genug Stellen gibt." Dabei dürfe es keine Sonderregeln für Flüchtlinge geben. Die Gleichbehandlung von einheimischen Jugendlichen mit Migranten werde verhindern, dass Migranten bei einer Lockerung der Mindestlohnvorschriften Einheimische unterbieten könnten. Sonst werde die schnelle Integration in den Arbeitsmarkt nicht gelingen, warnte Sinn: "Nur bei sich spreizenden Löhnen gibt es unten mehr Beschäftigung."

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