Neue Osnabrücker Zeitung

NOZ: Gespräch mit Michael Thiel, Hamburger Psychologe

Osnabrück (ots) - Psychologe zum Herbstblues im Sommer: Weniger jammern, Regenklamotten anziehen und das Positive sehen

Hamburger Experte Thiel schätzt die Gefahr, wegen des Wetters in Depressionen zu verfallen, als gering ein - "Wer an saisonabhängiger Depression (SAP) leidet, für den könnte es problematisch werden"

Osnabrück. Nach Einschätzung des Hamburger Psychologen Michael Thiel kann der aktuell nasse und kühle Sommer zwar auf die Stimmung schlagen, doch der Fall in eine echte Depression aufgrund des miesen Wetters sei für die meisten Menschen nicht zu befürchten. In einem Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitag) sagte Thiel: "Problematisch kann das Wetter für die werden, die an der saisonabhängigen Depression, kurz SAD, leiden. Doch nicht jeder, der gerade schlechte Laune hat und das Wetter blöd findet, hat SAD." Es käme auf den Einzelfall an, so Thiel. "Das Krankheitsbild der SAD zeigt alle Symptome, die für Depressionen typisch sind: Die Laune ist anhaltend im Keller, man ist antriebslos, auch die Neigung zu Angstzuständen kann zunehmen. Bei der SAD beginnt das Ganze typischerweise im Herbst und verschwindet dann wieder, etwa im März oder April." Schuld sei der Mangel an Licht, erklärt der Psychologe: "Unser Gehirn produziert bei Licht mehr antidepressive Substanzen. Wer grundsätzlich dazu neigt, von diesen Neurotransmittern zu wenig zu produzieren, kann an einer SAD erkranken, auch jetzt im Sommer." Wer also über einen längeren Zeitraum aus der Trübsal nicht mehr herauskomme, solle sich von einem Neurologen oder Psychologen untersuchen lassen, rät Thiel. "So kann man abklären, ob es sich eventuell um eine SAD handelt." Für alle anderen gäbe es eine einfache Lösung, aus dem Stimmungstief des miesen Sommers herauszukommen: "Es reicht schon, das natürliche Licht auszunutzen. Also: Regenklamotten anziehen, rausgehen und sich den Wind um die Nase wehen lassen." Auch "weniger jammern" könne die Stimmung aufhellen: "Es hilft, trotz des Wetters das Positive zu sehen. So kann man es sich zum Beispiel zu Hause gemütlich machen, sich auf dem Sofa einkuscheln oder mit der Familie oder mit Freunden ein Spiel spielen. Dann vergeht der Herbstblues im August ganz schnell wieder", sagte der Psychologe. Ihm persönlich mache im Übrigen Regen, Wind und Kälte wenig aus: "Ich bin ein Nordlicht. Mir machen eher 30 Grad und Sonne Angst", sagte er.

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