Neue Osnabrücker Zeitung

NOZ: Interview mit Ralf Meister, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche von Hannover

Osnabrück (ots) - Landesbischof Meister: "Pegida" nicht aus der Gesellschaft drängen

Theologe hat Verständnis für Angst vor radikalem Islam, warnt aber vor Polarisierung - "Sorgen und Ängste ernst nehmen"

Osnabrück.- Der evangelische Landesbischof Ralf Meister aus Hannover hat davor gewarnt, die Demonstranten der "Pegida"-Bewegung aus der Gesellschaft heraus zu drängen. In einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag) nannte es Meister einen Fehler, die "Pegida"-Demonstrationen grundsätzlich unter den Vorwurf des Rechtsradikalismus zu stellen. "Vorsicht vor einer Polarisierung der Gesellschaft", fügte Meister hinzu. Die Sorgen und Ängste müssten ernst genommen werden. Der Bischof der größten Landeskirche der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nannte die Überschrift "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) fragwürdig. Auch teile er kein einziges Ziel der "Pegida"-Initiative. Doch hilfreicher als eine Ausgrenzung sei es, mit positiven Beispielen eine plurale Gesellschaft vorzuleben. "Mit den 'Patrioten' würde ich gerne über den Verfassungspatriotismus sprechen", sagte Meister. Das Grundgesetz halte es aus, Vielfalt von Religionen und Kulturen unter einem gemeinsamen Wertekatalog zu denken. Darüber zu diskutieren sei besser als zu sagen: "Die da sind böse - und wir sind die Guten." Meister äußerte aber auch Verständnis für Menschen, die Angst vor dem radikalen Islam haben. Dagegen seien positive Erfahrungen mit Muslimen hilfreich, die ihren Glauben friedlich lebten. Dies geschehe durch Kontakte in der Nachbarschaft oder im Sportverein, in Kulturvereinen und Moscheen. "Solche Begegnungen wirken viel intensiver, als wenn man seine Weltwirklichkeit aus den Schlagzeilen der Presse formuliert." Zur Diskussion über das Verhältnis von Religion und Gewalt sagte Meister: "Je geringer das Wissen, umso gefährlicher sind die Urteile." Er warnte zugleich vor Überheblichkeit gegenüber dem Islam. "Vom Heiligen Krieg haben Pastoren auch vor 100 Jahren gesprochen, als es in den Ersten Weltkrieg ging."

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