Neue Osnabrücker Zeitung

NOZ: Gespräch mit Thoma Straubhaar, Weltwirtschaftsforscher

Osnabrück (ots) - Weltwirtschaftsforscher: Streiks der Lokführer und Piloten belanglos

"Verbraucher suchen Auswege" - Straubhaar: Klagen der Wirtschaft nicht gerechtfertigt

Osnabrück.- Weltwirtschaftsforscher Thoma Straubhaar sieht Deutschland trotz fortdauernder Streiks der Lokführer und Piloten von "britischen Verhältnissen Lichtjahre entfernt". In einem Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitag) rief Straubhaar zu differenzierter Betrachtung der aktuellen Tarifkonflikte auf. "So ärgerlich und absolut unverständlich die Streiks für Verbraucher sind, gesamtwirtschaftlich betrachtet sind sie belanglos", betonte der Volkswirtschaftler, der an der Universität Hamburg lehrt. Vergleiche mit Großbritannien, wo es Mitte der 80er Jahre einen einjährigen Bergarbeiterstreik gegeben habe, seien absolut unzulässig. Warnungen der Wirtschaft vor streikbedingten Auftragsausfällen und Produktionsstörungen nannte Straubhaar nachvollziehbar, aber nicht gerechtfertigt. "Dies wäre nur dann der Fall, wenn es wirklich Dauerstreiks über viele Wochen gebe", sagte der frühere Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts. Er sieht die Sympathien der Bundesbürger für Arbeitsniederlegungen schwinden, wenn die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) überziehe. "Die Verbraucher sind sehr flexibel, suchen Auswege und schwenken um von Bahn auf Fernbusse oder Autos und Fahrgemeinschaften, gehen weg von Lufthansa zu anderen Airlines. So gehen Marktanteile auf Dauer verloren", betonte der Wirtschaftsforscher.

Mit Blick auf die für Sonntag erwarteten Ergebnisse des Banken-Stresstests durch die Europäische Zentralbank sagte Straubhaar, deutsche Verbraucher werde es kaum direkt treffen. Der deutsche Durchschnittskunde habe in aller Regel seine Ersparnisse und Vermögen nicht bei den als problematisch eingestuften Banken angelegt. Wenn wie erwartet Geldinstitute in den südeuropäischen Schuldenländern den Test nicht bestünden, könne sich dort die Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage aber verzögern oder sogar gefährdet werden.

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