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Neue OZ: Kommentar zur Loveparade

Osnabrück (ots) - Eine Frage der Verantwortung

Dreieinhalb Jahre hat die Staatsanwaltschaft zum Unglück bei der Loveparade ermittelt, doch der ganz große Wurf ist ihr mit der jetzt vorgestellten Anklage nicht gelungen. Zwar ist nun endlich ein Ergebnis der Ermittlungen sichtbar, doch sollen einige aus Sicht der Betroffenen wichtige Verantwortliche nicht belangt werden. Dabei geht es zunächst um den inzwischen abgewählten Oberbürgermeister Adolf Sauerland und Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller. Durften sie sich wirklich, wie die Staatsanwaltschaft argumentiert, auf ihre Leute verlassen? Setzten sie alles daran, die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten? Und dann ist da noch die Polizei, der zahlreiche Zeugen Versäumnisse vorwerfen, die von der Staatsanwaltschaft nun aber in Schutz genommen wird. Doch darf sich die Staatsmacht wirklich auf die Sicherheitskonzepte privater Veranstalter verlassen? Angesichts der gravierenden Planungsfehler im Vorfeld erscheint das unvorstellbar. Werden im nun zu erwartenden Prozess also die Befehlsempfänger geopfert und die Befehlsgeber geschützt? So einfach ist die Sache auch nicht. Zu Recht betonte Staatsanwalt Horst Bien, ein Strafprozess könne nur strafrechtliche Schuld feststellen, nicht aber politische oder moralische Verantwortung. Die aber müssten vor allem die jetzt nicht angeklagten Beteiligten übernehmen, damit die Aufarbeitung des Unglücks für Opfer und Hinterbliebene Sinn ergibt.

Constantin Binder

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