Neue OZ: Kommentar zu Arbeitsmarkt / Gesellschaft

Osnabrück (ots) - Krause Theorie

Diese Forderung ist aus der Zeit gefallen: Eine 30-Stunden-Woche, die Wissenschaftler, Politiker und Publizisten jetzt verlangen, haben nicht einmal die Gewerkschaften der Metall- und Druckindustrie gefordert, als sie in den 1980er-Jahren für kürzere Arbeitszeiten kämpften. Ihr Ziel war die 35-Stunden-Woche. Und selbst die konnte bis heute nicht flächendeckend durchgesetzt werden.

Stattdessen geht der Trend vielfach in die entgegengesetzte Richtung. Immer mehr Arbeitnehmer kehren zur 40-Stunden-Woche zurück oder stehen noch länger an der Werkbank. Das mag man bedauern, ist aber ein Beitrag zur Stärkung der deutschen Wettbewerbsfähigkeit. Kürzere Arbeitszeiten würden dagegen die Lohnstückkosten in die Höhe treiben und womöglich Jobs gefährden.

Problematisch erscheint auch die Vorstellung, man könne Arbeit einfach umverteilen und so für Vollbeschäftigung sorgen. Zwar wollen Millionen von Beschäftigten gerne länger arbeiten, während viele andere Überstunden beklagen. Allerdings dürften unterschiedliche oder fehlende Qualifikationen vielfach die angedachte Teilung der Arbeit erschweren oder sogar unmöglich machen.

Statt solch krausen Theorien zu folgen, drängen viele Gewerkschaften deshalb zu Recht auf die Sicherung von Jobs und auf faire Löhne. Wer für mehr Beschäftigung sorgen will, sollte sich im Übrigen auf bessere Bildung und verstärkte Qualifizierung konzentrieren.

Uwe Westdörp

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